Cabernet... Sowieso?

Mit einer guten Kollegin pflege ich einmal pro Monat eine ausgesprochene Apérokultur. Diese Treffen dauern meist von sechs bis zehn. Das heisst, nach einem Glas Weisswein oder einem Campari ist nicht Schluss, sondern wir schliessen den Abend ab mit etwas Essbarem und einem Glas Rotwein. Wir haben kein Stammlokal, lieber probieren wir neue Bars oder Lokalitäten aus. Was nicht neu ist, jedoch immer wieder vorkommt – nicht immer, aber immer wieder – ist die Cabernet-Sauvignon-Geschichte. Wir beginnen unseren Abend meist an der Bar, so es denn eine hat. Die Bardame oder der Barman kommt auf uns zu, lächelt und fragt nach der Bestellung. Meine Kollegin pflegt dann meist zu sagen: «Für mich ein Glas Wein.» Nicht rot, nicht weiss, nicht rosé, nur «Wein». Zu fast 90% folgt der Vorschlag: «Für die Damen ein Glas Cabernet Sauvignon?» Klar, die Damen trinken immer Cabernet Sauvignon. Immer und überall, denn die Damen wissen doch ohne Herr nicht, was bestellen. Sie müssen geholfen werden! Nicht, dass ich Cabernet Sauvignon in welcher Form auch immer nicht mag. Aber wenn er so verkauft wird, Cabernet Sowieso, eben, dann verliert er jeglichen Charme. Er wirkt dann kraft- und auch hilflos. Vielleicht wie die Damen. Hand aufs Herz: Sehe ich so aus, als wüsste ich nicht, was bestellen an den Bartresen? Heisst es nicht immer, Bartenders seien halbe Psychologen, Zuhörer und Versteher? M-hm. Mittlerweile ist es für uns ein richtiges Spiel und ich gebe zu, wir fordern die Cabernet-Sauvignon-Empfehlung richtiggehend heraus. Und wenn es klappt, ja dann prusten wir los wie die Teenager und finden es wahnsinnig witzig. Seither nenne ich mich Bartender-Versteherin. Die weisse Variante des Cabernet Sauvignon heisst übrigens Chardonnay und ist nicht minder beliebt bei den Empfehlungen. Ich persönlich finde ja, Chardonnay tönt etwas blond. Nein, nicht so blond wie ihr meint. Ach, aus dieser Nummer komme ich nie wieder raus. Auf ein Bier mit mir.


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