Müller-TV

Ich kann nicht mehr länger warten. Ich habe es nun lange immer wieder hinausgeschoben, immer wieder gedacht, den kannst du wirklich nicht bringen. Was ich euch, meine Lieben, nun erzähle, gehört zur Kategorie «Familieninterna», genauer gesagt zum Thema «Familie Müller und ihre technischen Finessen zu TV Geräten».


Dies gleich vorneweg: Meine Mutter hat vor ca. 20 Jahren bei Bürki Radio TV Zweisimmen angerufen und gesagt, ihr TV Gerät funktioniere nicht. Worauf Kari Bürki in sein Auto stieg und bei Mutter Müller einen Hausbesuch machte. Resultat, der TV war nicht eingesteckt. Damals wurden solche Einsätze noch mit einem Kaffee abgetan.


Wir haben eine Wohnung im Tessin, diese Wohnung haben meine Eltern gekauft und es ist eine wahrlich wunderbare Oase. Diese Wohnung hat mein Bruder Reto (Thronfolge Nr. 2) übernommen. Und ich versichere allen Personen, es ist mit rechten Dingen zugegangen, Reto wurde nicht bevorteilt mit der Übernahme dieser Wohnung. Wir handeln es immer noch, wie es meine Eltern handelten. Reto ist sehr grosszügig und alle Familienmitglieder dürfen ins Tessin in die Wohnung, wann immer es geht. So auch ich und ich bin oft und gerne im Tessin. Mein Bruder Reto hat ja nun wirklich ein goldiges Händchen in Sachen Inneneinrichtung, so auch im Tessin. Aber, mein Bruder hat kein goldiges Händchen in Sachen TV. Er kann nichts dafür, offenbar liegt es in den männlichen Genen der Müllerschen Familie. Er hat vor Jahren einen neuen TV gekauft und zugegeben, das Handling mit Satellitenschüssel, zwei Fernbedienungen etc. war etwas kompliziert. Dies führte dazu, dass jedes Mal, wenn meine Mutter im Tessin war, ich via Hotline und Fernberatung den TV irgendwie in Gang bringen musste. Wer es nicht schon mal tun musste, hat keine Ahnung wie das ist. Das geht dann so.


Ich: «Du musst nun fünf Minuten warten, dann kannst du alle Geräte wieder einschalten. Du darfst jetzt keinen Knopf drücken oder so.» Und dann, ja dann sagt meine Mutter nach 30 Sekunden: «Tina, da passiert gar nichts, ich habe jetzt mal die 1 gedrückt.» Ganz ehrlich? Zu solchen Fernschaltungen muss ich rauchen, ich halte es sonst nicht aus.


Dann eines Nachmittags rief mich mein Bruder Reto an und sagte zu mir: «Ich bin im Tessin und der TV funktioniert nicht.» Ich sagte ihm: «Ich schicke dir den Link, da ist alles genau beschrieben und du musst einfach genau nach Anweisung gehen.» Thronfolge 2 hat nicht mal die SMS gelesen, rauschte wutentbrannt mit dem Boot nach Locarno, um in den technischen Frust einen Campari zu trinken. Ich möchte hier nur erinnern, ich habe den TV nicht gekauft und ich habe auch nicht die Satellitenschüssel montiert. Und als ob das nicht der Gipfel der Tessin TV Gefühle wäre, kauft sich Thronfolge 2 diesen Sommer einen neuen TV. Es gibt Situationen, da pflege ich zu sagen: schlimmer geht immer.


Reto hat also einen neuen TV gekauft und diesen einfach hingestellt. Vor meinen Tessinferien im August rief er mich an und sagte so en passant. Ich habe einen neuen TV gekauft, der funktioniert dann ein bisschen anders, aber der ist super. Du musst vielleicht noch ein paar Finessen anpassen. Ja ja… und dann stand da ein nigelnagelneuer TV, die Folie noch drauf. Eingesteckt war schon mal und nun zu den technischen Finessen. Der TV ist sehr, sehr gross. Und ich merkte dann sehr schnell, man hat auf WLAN umgestellt, aber das Netz wurde nicht angepasst. Es war, als hätte man einen Ferrari mit einem Käfermotor. So schnell gaben wir aber nicht auf. Das heisst, wir haben den TV an allen möglichen Orten aufgestellt, sind mit der Antenne in der Hand auf dem Sofarand balanciert und klebten das Antennenkabel mit Chläbi an die Decke, dann wieder runter und dann wieder verschieben. Der Ton hinkte hinterher, das Bild blieb stehen und meine Nerven hingen nur noch an einem seidenen Faden. Und fragt mich jetzt nicht wie, aber nach gefühlten 100 Standortwechseln haben wir es geschafft. Dann waren jedoch die Ferien zu Ende und das Kontingent von 10 TV Stunden ebenfalls. Das hat übrigens auch niemand gewusst. Am Ferienende haben wir alles wieder so verlassen, wie es bei Ankunft war.

Und dann passierte es. Dann nämlich fuhr Mutter Müller ins Tessin. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, ICH HABE DEN TV NICHT GEKAUFT. Die Hotline wurde wieder aufgebaut und meine Mutter erklärte mir in einem Tonfall, das sei ja nun der Gipfel dieser TV, eine unverhältnismässige Grösse, funktionieren würde er auch nicht und überhaupt und sowieso. Ich sass stumm am Telefon und zählte ganz ruhig von 20 zurück.


Vor zwei Tagen, Telefon aus dem Tessin von Bruder Reto. Er hätte nun wieder den alten TV installiert und dieser neue TV würde ja gar nicht gehen und Mutter würde auch nicht zurecht kommen damit und überhaupt und sowieso. Und dann dieser Satz: «Tina, wie installiert man den alten TV, bzw. was muss ich tun, damit ich den wieder in Gang bringe und wenigstens die Tagesschau sehen kann.» Freunde, das war und ist zu viel für meine Nerven.


Ich sendete ihm den Link und ähm, ich habe nun in Kürze einen nigelnagelneuen TV – nicht im Tessin, aber bei mir zu Hause.

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