Der Sonnenuntergang

Je älter ich werde, umso mehr mag ich Sonnenuntergänge. Ehrlich, das mag jetzt etwas kitschig tönen, aber ich liebe Sonnenuntergänge, ob in den Bergen, am Wasser oder einfach so auf meinem Balkon. Es ist egal zu welcher Jahreszeit, aber dieses Farbenspiel rund um den Sonnenuntergang hat eine beruhigende Wirkung und mit der Sonne verabschiedet sich auch der Tag. Manchmal früher, manchmal später. Und je älter ich werde, umso mehr spüre ich das Sommerkind in mir, denn die Intensität der Abende im Sommer sind einfach leichter zu ertragen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Fotos von Sonnenuntergängen ich auf meinem Handy habe und immer wieder entdecke ich neue Farben, neue Strukturen der Wolken, ein anderes Licht und immer wieder habe ich meine kleine Freude daran. Und wenn ich mich schon so grosszügig oute, dann noch dies. Vanilla Sky – ah, wunderbar und hier meine ich nicht den Drink, sondern eben wirklich den vanillefarbenen Himmel, der sich präsentiert wie eine Kugel Vanilleglace.


Ist das Leben eigentlich im Sommer einfacher als im Winter, mal abgesehen von den Sommerferien? Ein kalter und wunderschöner Winterabend hat es auch in sich und ich mag das auch sehr gerne, so ich dann in den Bergen bin. Ja, sogar ein nebliger Novemberabend hat seinen Charme, so es dann nicht sieben Tage andauert. Aber mich überraschen die Naturschönheiten immer wieder aufs Neue und ich nehme es zunehmend immer wie stärker und bewusster wahr, was um meinen Feierabend so alles passiert. Es wäre schon schön, wenn wir den Abend immer wieder feiern könnten, die Arbeitssorgen im Briefkasten lassen und uns in den gepflegten Apéro begeben. Mir gelingt das im Sommer oder zumindest, wenn die Abende länger werden, immer besser. Besser, als wenn der Mantel der Dunkelheit um mich ist und ich mich auf der Fahrt nach Hause in der Tramscheibe sehe, statt das Leben ausserhalb des Trams. Oder wenn ich von winterlichen Kuschelabenden höre, frage ich mich immer wieder, für wen das eigentlich ausgedacht wurde. Sicher nicht für die, bei denen nämlich Meno auf den Pausenknopf drückt. Dann sind solche Abende alles andere als kuschelig. Dann empfiehlt es sich besser, auf Schlager umzustellen. Auch so eine Alterserscheinung von mir. Schlager. Ich muss nicht mehr cool sein und für den Schlager ein müdes Lächeln übrighaben. Nein, ich stehe jetzt dazu und ja, ich finde, Schlager hat sowas vom Frühling oder Sommer – ganz in Weiss mit einem Blumenstrauss, atemlos durch die Nacht und ich liebe das Leben.


Aber, liebe Bloggemeinde, wenn ich es dann mal so richtig kitschig will, dann passiert das ein Mal im Jahr. Dann nämlich, wenn meine Italo-Schweiz-Spanien-Freunde-Fraktion ihr Adventsfenster präsentiert. Unfassbar kitschig, aber unfassbar leicht und eigentlich ist Kitsch was Fröhliches. Es geht nicht um Geschmack oder um Stil, nein, es geht um diese Fröhlichkeit und dieses Entdecken des Kitschs. Und ich kann meinen Freunden sagen, ich finde es kitschig und niemand nimmt es persönlich. Wer hat eigentlich gesagt, Kitsch sei negativ? Hätten wir keinen Kitsch, wäre so manches aber so was von langweilig.


Meine einzige kleine Angst bei diesem Adventsfenster ist der Moment, wenn der Schalter auf «on» umgelegt wird, denn ich warte seit Jahren auf einen Stromausfall in der Gemeinde und das wegen ein bisschen Kitsch.

Go for it.

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