Verpackungen

Heute Morgen habe ich einen neuen Beutel Milch (also ä Milchtutel) aus dem Keller geholt. Es war einer von der Migros, mit diesem fiesen Dings zum Wegziehen. Und jedes Mal, aber wirklich jedes Mal, wenn ich an diesem Ding ziehe, schwappt Milch über und verteilet sich nett über der ganzen Kombination und über die Finger und überhaupt. Das hat dann zur Folge, dass ich alles putzen muss. Ich bin sicher, ihr wisst von welchem fiesen Ding ich rede, oder? Und bevor ich jetzt nützliche Tipps bekomme, wie ich den Milchtutel halten soll oder über welche Kante ich einschenken soll – es liegt nicht nur an mir – es liegt an dieser blöden Idee, diese Milch so zu verschliessen, als müsste sie eine Mondlandung überstehen. Stärnefüfinonemal.

Dasselbe in Grün, jedoch mit weniger Sauerei verbunden: das Öffnen des Abstimmungscouverts. Ich gebe mir wirklich Mühe, ganz exakt und langsam, aber auf den letzten 2 cm reisst dieser blöde Streifen und dann muss man mit Chläbi wieder flicken. Ebenso mit den Klarsichtfolienverpackungen. Wenn ich da so an die Folie rund um die CD’s denke. Jesses, das war so eine mühsame Angelegenheit. Man hat eine neue CD gekauft und wollte nur das EINE. Öffnen, einlegen und geniessen. Aber nein, da musste man auch so lange rumfummeln. Ich kann es einfach nicht verstehen, ich will keine Anleitung, ich will nur, dass solche Sachen funktionieren und zwar picobello, ohne Sauerei oder Riss. Mich kann man übrigens auch auf die Palme bringen, wenn man Chips isst und immer mit dem Chipssack so chräschlet. Kinobesuche lassen grüssen.


Ihr kennt das, oder, eine Weinflasche mit einer schönen Etikette wird eher gekauft. Ja liebe Freunde, der Inhalt macht es aus und nicht nur beim Wein, Bier etc. Natürlich sind solche Sachen cool und durchgestylt, aber Hand aufs Herz: Habt ihr nicht schon mal eine Flasche Wein oder eine Flasche Bier gekauft, nur weil die Etikette so schön war? Mhm. Na gut, irgendwann geht dann die Flasche ins Altglas. Wenn jedoch Hülle und Inhalt passen, dann ist das perfekt.

Aber Verpackungen haben und hatten es immer in sich. Die Hülle macht es nicht aus, aber die Hülle sagt so vieles aus. Natürlich ist der Inhalt wichtiger als die Hülle, insbesondere bei Lebensmitteln. Aber sind wir mal ehrlich, auch bei uns Menschen ist es so eine Sache mit der Hülle. Manchmal denke ich bei Menschen, ah einfach genial dieser Stil und es passt so wunderbar. Ich kenne auch viele Leute, die haben so einen ganz eigenen Kleidungsstil und obwohl ich diesen Stil persönlich nicht so toll finde, er passt zu diesem Menschen und macht ihn einzigartig. Und diese Stilfrage eignen wir uns mit den Jahren an und mit einem Augenzwinkern erwähnen wir dann das Hawaiihemd oder die Tewa-Sandalen oder was auch immer. Mit meinem Bruder Reto kann man so wunderbar liebenswert lästern, nicht böse, nein es ist mittlerweile unser Running Gag. Wir sprechen über einen gemeinsamen Bekannten und dann sagt mein Bruder mit einem Augenzwinkern zu mir: «Weisch, dä mitem Hawaiihemli …», und ich weiss genau, worum es geht. Sitzt meine Mutter dabei, pflegt sie zu sagen: «Ah ihr mit diesem Hawaiihemd, es ist doch nicht wichtig.»


Denn was für mich gut oder stilvoll scheint, muss für andere nicht so sein, aber was wirklich zählt, ist der Inhalt. Und da lohnt es sich, sich Zeit zu nehmen und plötzlich ist die Verpackung Nebensache.

Beim nächsten Schluck Milch, der überschwappen wird, erinnere ich mich an meine Worte – Tina, der Inhalt macht es aus. Und alles andere kann man wegputzen, kleben, umschütten oder was auch immer.


Next please.

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