Mutter und das Alter

en von Senioren und «Bestagern» und weiss ich was alles, da winke ich ab. Letzthin habe ich mich gefragt, wie es wohl so ist im Alter: Wie werden sie damit fertig, die Alten und wann kommt der Moment und die Jungen, die auch älter werden, sollen gewisse Dinge übernehmen, ohne dass es den Alten weh tut.

Ich habe eine Lieblingstante. Eigentlich ist sie nicht meine Tante, aber aufgrund dessen, dass sie leider keine Kinder haben konnte, ist sie für Müllers eine Tante. Sie ist ein wunderbarer Mensch und auch sie ist alt und von Krankheiten gezeichnet. Aber diese Rede, die sie an ihrem 85. Geburtstag gehalten hat, ha! Ihre Haltung und ihr Wille, diesen Tag zu geniessen, da musste ich gegen die Tränen kämpfen.

Es gibt übrigens nicht nur hyperaktive Kinder, nein, es gibt auch hyperaktive Alte. Erschwerend kann bei dieser Art hinzukommen, dass diese so ihre Probleme haben mit dem Alter. Ai ai ai. Sport ist ein dankbares Thema. Da werden 85-Jährige porträtiert, die noch einen Marathon laufen oder mit dem Rennvelo eine Dreipässefahrt absolvieren. Sie fahren Auto, sie fahren Velo, sie joggen, sie jagen auf der Langlaufloipe einem imaginären Häschen hinterher und sie spielen Golf wie Tiger Woods es einmal tat. Und dann plötzlich kann es passieren, dass sie stürzen und sich einen vielleicht doch ins alter gekommenen Knochen brechen. Da gibt es so eine sau doofe Werbung, wo ein kleiner Junge zu seiner Grossmutter ins Wochenende geht und durch die Blume sagt dieser Junge, beim Grosi sei es langweilig, weil sie sich nicht mehr gerne bewegt. Dafür gibt es ja Voltaren forte und die Grossmutter macht beinahe ds Redli auf dem Kinderspielplatz. Fit sein und gesund bleiben, liebe alte Leute, ist sehr gut, aber bitte mit Mass und… in Würde.

Meine Vorstellung vom Alter ist total romantisch. Ich sehe mich in bester Gesundheit das Leben geniessen und ich habe auch meine Vorstellungen, mit wem ich geniessen werde. Wie gesagt, die Vorstellung ist romantisch und manchmal darf man auch ein bisschen träumen. Davon träumen, wie ich vormittags, nachdem ich ausgeschlafen habe, ins Café gehe, mich mittags verpflege und gegen den frühen Abend rausche ich ins Apéro. Ich treffe mich mit all meinen Freundinnen und Freunden und wir verbessern die Welt und leben in der Vergangenheit. In meiner romantischen Vorstellung gibt es keine einsamen Fernsehstunden und keine Schmerzen, die einen in der Nacht plagen. Keine Sonntage, die nie vorübergehen und auch keine schmerzlichen Verluste. Nein, nein, deshalb ist die Vorstellung auch so romantisch.

Noch ist es nicht soweit und ich habe noch viel zu tun. Aber mal darüber nachdenken ist gut und denkt auch mal über die Eltern und Grosseltern nach. Diese Generation wird es in dieser Form nicht mehr geben: patent, flexibel immer auf Abruf und alles im Dienste der Kinder und Grosskinder. So wie meine Mutter, eine wunderbare Frau, vor der ich meine grösste Hochachtung habe.

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