Willkommen in Tina's Privé - dem Alltags-Blog

Der Alltag ist unser bester Freund, er lässt uns am wirklichen Leben teilhaben und überrascht uns immer wieder mit wunderbaren Gegebenheiten, die es verdienen, dass man über sie schreibt. Als ich im Januar 2016 meinen ersten Blog veröffentlicht habe, verschrieb ich mich anfänglich meiner beruflichen Leidenschaft. Die Gastronomie – ach – da gibt es so viele Themen und Anekdoten und schon nur aus meiner Erfahrung könnte ich hunderte von Erlebnissen zu Papier bringen.

 

Doch, Hand aufs Herz, was sollte ich noch darüber schreiben, das nicht schon geschrieben wurde? Da fühle ich mich im Alltag viel besser aufgehoben. Also fahre ich weiter mit meinen Alltagsgeschichten und ja, ich freue mich über Kommentare, SMS, E-Mails oder auch über Postkarten.

Wege zum Erfolg

Es gab vor Jahren eine TV Soap, «Bianca, Wege zum Glück.» Ja, die war sehr erfolgreich, diese Nachmittagssoap. Eine Haushaltshilfe verdrehte dem jungen Erben die Augen. Er war ein guter, sie auch, aber alle andern waren fies zu ihr. Sie musste so manche Intrige und Bösartigkeit hinnehmen, die Bianca. Nach gefühlten 500 Folgen à 45 Minuten hatten sie und der junge Erbe es endlich geschafft. 

 

Geschafft.

 

Geschafft haben es so einige in ihrem Leben. Was heisst es denn, dieses «Geschafft»? Wo ist die Messlatte zum Erfolg? Privater, wie auch beruflicher Erfolg? Der Erfolg eines Politikers misst sich sicher am Wahlresultat und ob er es denn in einen Rat oder in ein Amt schafft. Wir bewerben uns für eine Stelle und wir schaffen es – die Zusage. Geschafft. Sportler heben die Faust in den Himmel – Sieg, geschafft. 

 

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Werbemail für eine Neuerscheinung eines Buches. Der Buchtitel:

WEGE ZUM ERFOLG 

Vordenker – Vormacher – Vorbilder

10 Unternehmerinnen – 10 Erfolgsgeschichten

 

Soooo Leute. Ich werde dieses Buch schon nur aus dem Grund kaufen, weil mich diese Erfolgsgeschichten unheimlich interessieren. An was genau wird nun der Erfolg gemessen. Zahlen? Führung? Mitarbeiterzufriedenheit? Ehrlich gesagt kenne ich keine einzige Frau auf dem Cover, also hat es meine Neugierde in einem unheimlichen Mass angetrieben. Was mich irritiert – diese Subline. Vordenker – Vormacher – Vorbilder. Meine lieben Frauen, also wenn schon zehn Erfolgsgeschichten über Frauen, dann passt es doch einfach an, nichts ist einfacher als wenn da schon zehn Frauengeschichten sind, das «*in» anzufügen. 

 

Kennt ihr eine*n Vordenker*in? Darunter kann ich mir sehr vieles vorstellen. VOR-denken. Unglaublich praktisch, da denkt eine Person für einem vor. Ist wie vorkochen, praktisch und zeitsparend. Kennt ihr eine VOR-macherin? Ah, das ist schon schwieriger, oder? Das geht dann so in die Sparte Lehrerinnen. Dazu kommt mir immer wieder meine Handarbeitslehrerin in den Sinn und die hatte es nun wirklich nicht leicht mit mir. Keine Ahnung, wie oft die geduldige Frau mir etwas VORgemacht hat. Meine Grossmutter hat meine angefangenen Arbeiten meist zu Ende gemacht, weil es weder mit dem VOR noch mit dem Machen klappte. Und vielleicht ist «Vormacher» auch ganz anders zu verstehen. Eine Frau führt also erfolgreich ein Unternehmen und macht allen etwas vor? Uh, das wäre aber dann ganz dreist. Und dann noch die ganz elegante und liebenswerte Kategorie – Vorbilder. Über Vorbilder könnten wir eine Gruppe bilden zwecks Erfahrungsaustausch. Wir geben also alle VORs in den Mixer und daraus entsteht ein unglaublich toller, einzigartiger Cocktail Namens ERFOLG. Der Erfolg, nach dem wir doch alle streben, wir wollen es schaffen, aber so richtig. Auch wir wollen die Faust in den Himmel strecken und ein befreiendes Yes brüllen, weil wir es geschafft haben. Was genau macht uns glücklich am Erfolg – was oder wie verändert er unsere Persönlichkeit, der Erfolg? Wie gehen wir damit um und wie verändert uns der Erfolg, verändert er uns positiv oder negativ? Reicht es in einem Buch erwähnt zu werden mit einer Erfolgsgeschichte? Erfolg streichelt unser Ego, er lächelt uns an, er ist verführerisch, vielleicht sogar so verführerisch, dass wir anderen Menschen etwas vormachen, dabei vergessen, dass wir immer Vorbilder sind, seit wir auf der Welt sind und immer vordenken sollten, nicht nur für uns selber und unser Ego, sondern auch für die anderen Menschen. Sich selber treu bleiben ist weitaus schwieriger, als dem Erfolg hinterherzurennen. Denn nur wer sich selber wirklich offen und ehrlich zulächelt, ist wirklich sich selbst und dann haben wir es wirklich geschafft.

 

Wir, das ich und ich.

 

Viel Erfolg wünsche ich beim Vordenken, Vormachen und Vorbildsein. Und damit nicht nur alles VOR ist, bleibt vielleicht ein kurzer Moment des NACHdenkens über sich selber, den Erfolg und dessen Wichtigkeit.

 

Geschwisterliebe

Die einen haben, die anderen nicht und dann gibt es die, die gerne hätten und die, die lieber keine hätten, weil sie von allem genug haben. Die Geschwister. Leute, ich weiss, ein heikles Thema, aber es muss jetzt einfach sein, auch weil Weihnachten bald vor der Türe steht. Heute kann ich im Gegensatz zum Kinderthema mitreden und es ist jetzt wirklich mal an der Zeit, über die Geschwister zu reden.

Wenn ich unter Freundinnen oder Kolleginnen über die Geschwister rede, da kommen immer so die einen oder anderen feinen Spitzen zum Vorschein. Erschwerend kommt noch der Umstand Partnerin oder Partner der Schwester oder des Bruders hinzu. Diese Geschichten finde ich persönlich sehr spannend. 

 

Ich bin mit drei älteren Brüdern gesegnet. Ich bin Nummer vier und in der Thronfolge ebenfalls Nr. 4. Somit habe ich in der Hierarchie eigentlich nichts zu sagen und muss mich dem Regime stellen. Dachten sich wohl alle. Aber nicht mit mir. Wer nun glaubt, als Nesthäkchen mit drei älteren Brüdern sei das Paradies auf Erden gewesen, muss ich hier enttäuschen. Dem war und ist nicht so, aber ich war somit gleichberechtigt, ja, ich habe mich bereits früh zu wehren gelernt, um mich an der Seite meiner grossen Brüder zu behaupten. Ich habe also mit meiner Geburt meinen Weg zur Gleichberechtigung aufgenommen und WIE ich den Weg auf- und angenommen habe. Natürlich durfte ich mittun beim Fussball oder auf der Skipiste. Thronfolge Nr. 1 pflegte zu sagen, die Kleine (das war ich) darf auf den Rinderberg mitkommen, aber sie muss schauen, dass sie uns nachkommt, wir warten nicht auf sie. Der Altersunterschied zu Thronfolge 1 beträgt doch sagenhafte 9 Jahre, liebe Leute. Wenn ich also mit zarten 5 Jahren auf dem Rinderbergspitz stand, dann musste ich zusehen, dass ich einer Horde 14jähriger Jünglinge hinterherfahren mochte. Das ist schon mal eine fette Nummer, finde ich. Beim Fussball musste ich meistens ins Tor, aber auch das ging irgendwie, obschon mir der Ball ganz schön um die Ohren flog. Und wenn dann mal die Tränen doch zuvorderst standen, sicherte ich mich stets bei meiner Mutter ab, ob die Brüder nicht da sind oder zumindest nicht in der Nähe, bevor ich den Tränen freien Lauf liess

Es gab dann auch so Dinge, die uns einzeln verbanden. Reto war zur gleichen Zeit im Welschen wie ich. Unsere Eltern sprachen einen Kredit, der dafür vorgesehen war, dass wir Zwei einmal im Monat zusammen essen gehen. Ich, nette 17 Jahre alt, durfte dann mit meinem grossen Bruder (24 Jahre) und seinen Arbeitskollegen einmal im Monat in einen englischen Pub in den Ausgang, dort haben wir das Monatsessen verpulvert. Meine Welschlandgspändlis erblassten jeweils vor Neid und das zurecht, denn das war natürlich schon etwas ganz Besonderes.

 

Ich habe von meinen Brüdern viel gelernt, sie gaben mir unbewusst die Möglichkeit, mich zu behaupten und wirklich stark zu sein. Sie lernten mich, dass Blut immer dicker ist als Wasser und sie lernten mich, dass man sich sehr wohl auf sie verlassen konnte, sollte ich einmal in Not sein. Natürlich vermisse bzw. vermisste ich eine Schwester, aber wahrscheinlich nur, weil ich mir ausmalte, es wäre alles ein bisschen einfacher gewesen. Dachte ich und wenn ich mich so umschaue und umhöre, vermissen nur diejenigen Schwestern, die keine haben. Und ja, es gibt immer Ausnahmen.

Niemand, aber wirklich niemand kann mich heute noch dermassen auf die Palme bringen, wie meine Brüder. Wenn die zur richtigen Zeit den richtigen Knopf drücken, dann geht meine Nervenrakete hoch, wie bei einem Bilderbuchstart auf Cape Canaveral. Das kann nur eine Kleinigkeit sein. Letzthin besuchte ich meine Mutter. Mein Bruder Reto kam ebenfalls vorbei und wir haben zusammen Kaffee getrunken und zwei Stunden gemeinsam verbracht. Als ich nach Hause fuhr, habe ich mir überlegt, wie es wohl für meine Mutter als Mutter ist. Diese Balance zu halten, die Fairness und das ewige Verständnis. Das Wissen meiner Mutter, wie verschieden ihre Kinder sind, aber auch welche Themen man in einer gewissen Kombination besser vermeidet und ganz elegant einen Themenwechsel vornimmt, bevor jemand Feuer fängt. Denn wie gesagt, der richtige Knopf macht es einfach aus. Im Gegensatz zu mir, hat meine Mutter das Tableau sowas von im Griff – immer noch im Griff. 

 

Und wer nun glaubt, dies sei es gewesen mit einem Geschwisterblog – leider nein. Das Thema ist so bunt, ich werde eine Reihe daraus machen. Denn wie gesagt, bald steht Weihnachten vor der Türe und ich bin endlich bereit über Weihnachten en famille zu schreiben. Ein Leckerbissen, ich halte Wort.

 

Vertrauen

Früher in den 90ern gab es eine Arztserie und die hiess «Dr. Frank». Das wäre an sich noch nicht so spektakulär, aber der Untertitel schlägt im Jahr 2020 alles ...: Der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Ich habe mir nachmittags oft die Wiederholungen reingezogen, in der Zimmerstunde in meinen aktiven Hotelzeiten. Ja, damals gab es eine Pause, die hiess Zimmerstunde. Darunter kann man sich nun ebenfalls im Jahr 2020 vorstellen was man will. Die Namen sind bereits in den ersten vier Sätzen Programm.

 

Vertrauen ist so eine Sache. Täglich, in einem mehr oder weniger normalen Alltag, sind wir auf das Vertrauen anderer Menschen angewiesen und umgekehrt. Ich bin darauf angewiesen, dass mich der Tramführer sicher in die Stadt bringt. Ich vertraue ihm oder ihr (mittlerweile gibt es nämlich auch Tramführerinnen) blind, ich kann gar nicht anders, ich muss vertrauen, sonst kann ich gleich zu Fuss gehen. Momentan vertraue ich vielen Mittramfahrer*innen, sie tragen wie ich Maske, ich vertraue ihnen, dass sie sich an die Regeln halten. Und wenn ich so richtig nachdenke, muss ich sagen, ich oder wir sind alltagsbedingt voller Vertrauen. 

 

Im Schweizer Fernsehen gab es eine Sommerserie, die in der ersten Sendung nachforschte, ob Geld glücklich mache. Dieser Primeur (über’s Geld) war mehr als ein Flop. Am Ende wurde die zweite Sendung angekündigt: Eine Diskussion darüber, ob Kinder glücklich machen. Seither kenne ich übrigens den Ausdruck «kinderfrei». Erst bei der Ankündigung dieser Kindersendung wurde mir klar: Diese Sendung war ein Affront gegenüber den Menschen, die kein Geld haben. Es ist nämlich nicht damit getan, einem Einsiedler, der im Kanderbachbett lebt, interessiert zuzuhören. Oder damit, beim Millionär im Garten zu sitzen und umgeben von Ponys über Geld bzw. ob Geld glücklich macht zu diskutieren. Gespannt sah ich der Sendung entgegen, ob Kinder glücklich machen. Und jetzt ist die Versuchung wirklich gross, diese Sendung zu zerlegen in alle Einzelteile. Das Eis, auf dem sich SF bewegte, war sehr sehr dünn. Da nützt auch eine 1.50-Moderatorin mit Vorschusslorbeeren nichts.

 

Während dieser Sendung wurde mir bewusst, wie wichtig im Leben das Selbstvertrauen ist. Es ist nicht das Geld, das glücklich oder unglücklich macht. Es ist das Vertrauen. Kann ich meinem Kunden vertrauen, dass er meine Rechnung zahlt? Kann der Kunde mir vertrauen, dass ich meinen Auftrag ehrlich und aufrichtig ausführe. Und ich kann diesen Auftrag nur ausführen, wenn mein Selbstvertrauen stimmt, wenn ich mich wohl fühle und nicht überfordert. Zugegeben, ich kann mich glücklich schätzen, mein Selbstvertrauen stimmt. Ich habe mich in den letzten Jahren immer sehr wohl gefühlt in mir und um mich. Ich vertraue mir ¬– ich vertraue mir, meinen Mitarbeiter*innen Vertrauen zu schenken, meinen Geschäftspartner*innen, meinen Freund*innen, Kolleg*innen etc. und meiner Familie. Wir tun es tagtäglich, Vertrauen schenken und sehr selten sprechen wir es laut aus. Wann habt ihr zum letzten Mal einem Mitmenschen gesagt: «Ich habe grosses Vertrauen in dich.» Zugegeben, diese Aussage kann auch Druck auswirken. Dennoch finde ich, Vertrauen ist eine grossartige Sache, es ist ein Zeichen der Aufrichtigkeit. Misstrauen erleben wir zu oft und es ist so sichtbar und manchmal sind wir dem Misstrauen ohnmächtig ausgesetzt. Wenn ich da an ein paar Weltpolitiker denke, löst dies eher Misstrauen aus als Vertrauen. Und wir, wir können fast nichts tun gegen diese Ohnmacht, wir sind ihr ausgesetzt. 

 

Umso wichtiger ist es, Vertrauen auszusprechen und Vertrauen zu leben, es macht so vieles einfacher und schlussendlich denke ich auch, Vertrauen macht wirklich glücklich. 

 

Ja, ich vertraue.

 

Bravo - in jeder Hinsicht

Letzthin hat mich eine gute Freundin spontan besucht und wir haben einen schönen Sommerabend auf dem Balkon verbracht. Zu fortgeschrittener Roséstunde fanden wir uns im Thema Aufklärung wieder. Meine Freundin hat eine Tochter in einem schwierigen Alter. Ich habe mittlerweile gelernt, Kinder sind immer in einem schwierigen Alter – eine gute Erkenntnis als kinderfrei. Man sagt ja heute kinderfrei, nicht kinderlos. Mir gefällt kinderfrei besser als kinderlos; «frei» beschreibt es nämlich sehr treffend. Item. Also erzählte meine Freundin vom Versuch, sich ihrer Tochter anzunähern in Sachen Aufklärung – weil die jungen Mädchen immer früher reifer werden, also frühreif. Die Tochter hat natürlich abgeblockt, somit hat Mutter ein Buch gekauft und Tochter den Schinken gegeben mit dem gutgemeinten Angebot «wenn du Fragen hast...». Was die Mutter und das Kind wissen: Nein; wenn ich Fragen habe, dann gehe ich mit diesen Fragen sicher nicht zur Mutter. Als ich laut gelacht habe, fragte mich die Freundin: «Tina, hast du mit deiner Mutter darüber gesprochen?» Nein. Meine Freundin auch nicht, sie sagte: «Mich hat Bravo aufgeklärt.»


Und dann kamen wir zu noch weiter fortgeschrittener Roséstunde ins Schwärmen zum Thema Bravo. Die Fragen überschlugen sich. Gibt es Bravo noch? Und was hat man als erstes gelesen im Bravo? Ich schreibe extra nicht «in der Bravo» – das ist so Deutsch. Wir haben schliesslich immer «das» Bravo gesagt. Der Umgang mit Bravo war zu unserer Jugendzeit sehr modern, wir haben nämlich Bravo geteilt. Eine kaufte es und drei haben es gelesen. Sharing is caring ... jaja. Ausser beim Starschnitt, das war dann so eine Sache. Wir teilten uns also Bravo und je nach Starschnitt mussten wir dann Federn lassen. Paul Young, Shakin Stevens (in weissem Anzug und Schuhen), Kajagoogoo und Nena habe ich meinen Gspändlis überlassen. ABER, bei Jennifer Beals hörte meine Grosszügigkeit auf. Jennifer Beals habe ich mir gekrallt und zwar ohne Rücksicht. Ah, da kam mein Kämpferwille zum Vorschein. Da kenne ich nichts, Jennifer Beals gehörte mir. Und mit L-Word hatten Jennifer Beals und ich ein grossartiges Revival.


Als ich zufällig entdeckt hatte, dass der Film Flashdance zu später Stunde auf dem welschen TV ausgestrahlt wurde, habe ich diesen Film mit dem Videogerät aufgenommen. Ich habe mir in der Migros extra eine Kassette gekauft für diesen Film. Nicht etwa, dass mein Vater Flashdance noch mit einem Derrick überspielte. Und dann wurde dieser Film geschaut und zwar nicht zehn Mal, nein, gefühlte hundert Mal. Ich kenne Flashdance in- und auswendig und zwar auf Französisch. Als ich Jahre später den Film in Originalfassung sah, immer noch fasziniert von Jennifer Beals, passte die Sprache irgendwie nicht in mein Flashweltbild. Somit ist in meiner Jugenderinnerung Flashdance in Französisch abgespeichert.


Ja und nun also noch zum Schluss zurück zum Anfang der Geschichte. Das Dr. Sommer Team. Ich bin überzeugt, das Team Dr. Sommer kennen alle, die das Bravo gelesen haben. Die Probleme sind immer noch die gleichen und die Lösungen auch. Es ist immer noch der gleiche Eiertanz um die gleichen Themen und das ist egal, ob wir 11, 12, 15 oder 25 sind. Alleine die Erfahrung macht es vielleicht ein bisschen erträglicher, wenn nicht auch noch enttäuschender. Schon wieder reingefallen und das mit notabene 40 oder was auch immer. Wer kümmert sich eigentlich um die Erwachsenen? Dr. Google? Nein. Blick? Nein. Ja wer denn? Wir rennen in die offenen Arme eines Coachs, ja, das sind unsere persönlichen Dr. Sommers. So ist das halt, ein bisschen teurer als das Bravo halt. Aber die Erfahrung hat uns doch auch ein bisschen reicher gemacht.
Die Tochter meiner Freundin ist mein Gottemeitschi. Zu fortgeschrittenster Roséstunde sagte die Mutter zu mir: «Also eigentlich hat man bei solchen Fragen auch ein Gotti, oder?» Ich nickte und dachte mir, eigentlich würde es mich sogar freuen, wenn sie zu mir kommt. Zu mir, Gotti Tina Sommer.


So geht das. BRAVO.

Ganz normal

Als ich letzthin mit einer Kollegin telefonierte, erzählte sie mir von einer Begegnung, die sie hatte und am Ende der Geschichte sagte sie: «Das ist doch nicht normal.» Und ich bediene mich auch oft an diesem «das ist doch nicht normal».
Aber wenn es dann normal ist, dann ist man nahe am Bünzlitum oder einfach so Durchschnitt und wer will schon Bünzli sein oder Durchschnitt? Wir wollen ja speziell sein oder temperamentvoll oder offen oder was auch immer. Einfach so ein bisschen «obenaus».

 

Wer sich eine violette Strähne beim Coiffeur machen lässt, höre ich sagen «ich mag es peppig» und dann rolle ich innerlich mit den Augen. Eine nachgeschobene Entschuldigung für eine violette Strähne? Ist eine violette, rote oder was-auch-immer Strähne wirklich aufpeppend? Geht es nun um den persönlichen Stil oder geht es darum, ein bisschen den nach-50-Aufstand zu erproben? Früher trugen die Seniorinnen den Violettstich mit Würde – schön frisiert und wohlriechend nach Haarspray. Früher sagte man auch «Festiger» und nicht Haarspray, da war nichts von peppig oder so. Es gehörte zu einer Dame.
Ist ein Tattoo normal? Heute ja, denn heute gehört ein Tattoo dazu. Es wird mit einem Statement in Verbindung gebracht und mittlerweile sind es Kunstwerke und Stories. Zu meiner Jugendzeit gab es die Sünden – das Geweih zwischen Hintern und Rücken, ach ich meine das Arschgeweih, oder der Schmetterling am Fussgelenk. Noch ein bisschen mini und so, nicht auffallen und immer noch im Rahmen des Normalen bleiben. Mittlerweile liest man ganze Geschichten an den Armen, Rücken oder Beinen. Wäre ich nicht so ein Schisser, hätte ich es wahrscheinlich auch, aber eben.


Ferienziele können auch so normal sein oder bünzlig. Als ich vor zehn Jahren bei meiner Mutter Hawaii als mein nächstes Ferienziel angab, schaute sie mich an und meinte dann etwas lakonisch: «nicht schlecht …». Und als ich dann etwa zwei Jahre später als Ferienziel Kärnten angab, lachte sie sogar und kommentierte mein Ferienziel als: «Also das ist jetzt auch nicht gerade was Grossartiges.» Klar, der Wörthersee ist im Vergleich zu Hawaii nicht die grosse Welt und tatsächlich etwas bünzlig, aber ich bin ein Bünzli. Bin ich also normal, weil ich keine violette Strähne habe, weil ich kein Tattoo trage und ich im Tessin meine Ferien verbringe? Dann wäre ich ja eine perfekte Weltbürgerin, nämlich normal.


Ich mache mir oft zu viele Gedanken um das so genannte Auffallen. Und manchmal schiele ich vielleicht ein bisschen neidisch auf die, die noch auffallen und mal gehörig auf den Putz hauen. Zu viele Gedanken um «ich kann doch nicht, sonst ...» – ja was und sonst? Dann wäre es eben so. Ich bin ja nur eine kleine Traube im grossen Fass. So wichtig sind wir alle nicht, um mal einfach so aufzufallen, sich ein Tattoo stechen lassen und es einfach mal zu tun. Normal zu sein tut nicht weh, darum gibt es ja so viele, die normal sind und schlussendlich ist es nur eine Ermessensfrage, weil wir es ja für uns beurteilen.


Ich denke, die violette Strähne wäre ganz schön beleidigt, wenn ich ihr sagen würde: «Eigentlich bist du normal, es ist nur die Strähne, die peppig ist.»


Voilà. Isch doch so.

Gastblog von Rita Scheurer

Öpfurösti oder 7 Zutaten für eine Freundschaft


Freundschaft ist das Wichtigste im Leben. Liebesbeziehungen halten nicht immer 50 Jahre. Die Gesundheit und das Vermögen können wanken. Freundschaften bleiben in guten und schlechten Zeiten, wenn sie gut gepflegt werden. Es gibt eine Menge Zutaten für eine gute Freundschaft. Es kommt immer auf die Menge an. Zuviel oder zuwenig, kann die Beziehung ruinieren oder ungeniessbar machen.
Sieben Zutaten die einer Freundschaft guttun:

 
1. Gemeinsamkeiten
Gemeinsame Lieblingsspeise aus Mutters alten Rezepten wie zum Beispiel Öpfurösti. Wer sie nicht kennt: hier ist das Rezept. Trockenes Brot oder Zopf in kleine Würfel schneiden. Viel Butter in die Bratpfanne. Die Würfel anbraten, bis sie knusprig sind. Äpfel in Schnitze schneiden und weichkochen. Brot und Äpfel mischen, Zucker und Zimt darüber streuen. Fertig.


2. Geniessen
Wer geniessen kann, hat viel zu erzählen. Und Achtung dann hören alle zu. Dazu braucht es keinen teurer Amarone. Es geht auch mit einem guten Tessiner Merlot. Es sind Momente in einem Tessiner Grotto und das Zusammensein mit Freunden. Die Ruhe auf dem Lago Maggiore im Boot. Das Geburtstagsfest mit feinen Häppchen.


3. Diskussionen
Diskussionen über Gott und die Welt. Man kann sich gemeinsam über ein schlechtes Spiel der Young Boys ärgern. Es darf ruhig auch hitzig werden. Niemals soll der Anspruch sein, sich einig zu werden. Leben und leben lassen ist die Devise.


4. Es darf auch mal krachen
Ja klar, es gibt Reizthemen …. Bei Freundinnen, die man etwas besser kennt, sieht man die innere Temperatur steigen. Vielleicht ist es der Blick oder die beherrschte Ruhe. Und wenn wir jetzt das Thema nicht wechseln - dann passierts.


5. Auch in schlechten Zeiten
Stellen wir uns vor, es geht uns echt schlecht. Die Mutter können wir nicht mehr anrufen, dazu sind wir zu alt. Wenn auch vielbeschäftigt: Freundinnen sind da, wenn man sie braucht. Das Schönste ist, wenn wir so richtig gemeinsam klagen können.


6. Arbeiten ist nicht nur ein Müssen
Freunde die dazu stehen, dass sie gerne arbeiten haben Geschichten zu erzählen. Vielleicht auch solche ohne Happy End. Oder solche aus längst vergangenen Zeiten in einem bekannten Hotel mit grossen Chefs. Doch eines ist sicher, es braucht auch eine grosse Verschwiegenheit, denn alle kennen die grossen Chefs.


7. Zusammen älter werden
Weisst du noch damals als wir.... Je länger die Freundschaft dauert, desto mehr gemeinsame Erinnerungen gibt es. Ein kleiner Wermutstropfen: wir werden alle älter. Das Gute ist, wenn man zusammen darüber lachen kann.

 

Autorin: Rita Scheurer ist Erwachsenenbildnerin, Coach und Bloggerin. Mit dem Blog lernen heisst lebendig sein bringt sie ein Stück Leichtigkeit in den Alltag. https://scheurer-coaching.ch/

Helden

In der momentanen Krise haben wir es wieder mit dem Heldentum. Wir, die Gesellschaft, brauchen offenbar ein Heldenbild, damit wir bewundernd applaudieren. Je nach Lebenssituation und Weltbild verändert sich das Heldentum immer wieder.

 

Einmal sind es Skirennsportler, die sich heldenhaft einen vereisten Hang hinunterstürzen und im Ziel flippt die Menge aus, wenn die Helden die Arme des Erfolgs hochreissen. Gut, momentan ist es grad nicht so berauschend mit der Lage am Lauberhorn, aber die Walliser werden es uns Berner Oberländern schon noch zeigen, wie man heldenhaft eine Abfahrt vermarktet. Da mache ich mir keine Sorgen. Oder der Fussballer, der es schafft, mit einem heldenhaften Tor eine Mannschaft zum Weltmeister zu schiessen und Jahre später wird dieser Held zum Noname und vom gelben Club zu einem weniger leuchtenden Club verscherbelt. Er, der Held, der mal Deutschland zum Weltmeister kickte. Oder ein Staatsmann, der den kalten Krieg beendet hat – ein Held für den vorübergehenden Weltfrieden. Helden halt. Es gibt natürlich auch Heldinnen, die sind vielleicht nicht so imposant, brüllen nicht so laut, aber es gibt sie. Das sind stille Ameisen, Soldatinnen, Bienen. Ich muss das nicht weiter ausführen, die die mich zwischen den Zeilen lesen, verstehen mich und die anderen haben immer noch das gleiche Bild der Helden. Früher applaudierte man sogar, wenn ein Pilot die Maschine ohne grosses Rumpeln landete. Es ist ihre Arbeit und dafür beziehen sie Lohn. Lassen wir uns also nicht von gutsitzenden Uniformen mit dicken goldenen Streifen auf den Schultern blenden.


Momentan – und ich bin überzeugt, es ist momentan – sind ja die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens die Heldinnen und Helden. Die, die sich dem Schwur hingeben und in den Krieg des Bösen ziehen müssen – angezogen als würden sie gleich auf den Mars geschickt für Mission Impossible. Ich mache mich nicht lustig, ich stelle nur fest, das möchte ich betont haben. Wir stellten uns auf den Balkon und applaudierten und hatten Tränen in den Augen vor lauter Dankbarkeit. Und das wars dann schon. Meine Heldinnen in dieser Mission sind jedoch die, welche nun für die Rechte und Lohngleichheit dieser Menschen kämpfen. Die nicht aufgeben ihrer Berufung nachzugehen und nun diese Fläche nutzen um aufzuzeigen, wie es wirklich ist. Was nützt ihnen ein Händeschütteln unseres obersten Gesundheitsministers, wenn sie völlig übermüdet und geschafft nach Hause kommen und der Kühlschrank leer ist, weil sie einfach nicht dazu gekommen sind einzukaufen.


Ich habe es nicht so mit den Helden und Heldinnen. Wahrscheinlich altersbedingt und da kinderlos, habe ich auch keine Vorbilder und muss auch selber keines sein. Aber wenn ich kurz innehalte und überlege, was denn für mich so eine Heldin oder einen Helden ausmacht, dann kommen mir spontan die Menschen in den Sinn, die den Alltag am Laufen halten. Ein Mechanikerteam des TCS, ein LKW- Fahrer, der einem hilft die Schneeketten zu montieren – einfach so. Oder der Schneepflugfahrer, der einfach so ein bisschen mehr ausschert, damit der Platz vor dem Haus nicht extra geräumt werden muss. Der Pösteler, der einem das Paket ins Büro stellt, weil es so schwer ist. Es sind die kleinen, alltäglichen und fürsorglichen Gesten, die mich berühren. Und so will ich diesen Menschen auch begegnen – aufrichtig und auf Augenhöhe. Nicht anhimmeln, sondern einfach mal auch sagen, wie sehr man ihre Arbeit schätzt. Ein liebes Wort ist manchmal mehr wert als schallender Applaus vom Balkon.


So sieht mein Heldentum aus.

Siegerin oder faire Verliererin

Ich mag Spiele oder Situationen, in denen es nur Sieger gibt oder dann nur Verlierer. Als Kind konnte ich nie verlieren. Mein Bruder Alex (Thronfolge 3) zockte mich im Monopoly dermassen ab und mir blieb immer die Niederlage. Wenn wir en famille «Eile mit Weile» gespielt haben oder noch besser die deutsche Bezeichnung «Mensch ärgere dich nicht» und ich verlor, ja dann ... dann war es durchaus möglich, dass ich aus lauter Wut den Karton inklusive Töggeli quer durch die Wohnung geworfen habe. Meine Kopffarbe wechselte in ein feuriges Rot und ich war kaum mehr zu bremsen. Ja, ich gebe es zu, dieses Outing ist nun wirklich nicht so schmeichelhaft: Ich bin zwar älter geworden, aber der Umgang mit der Niederlage ist nach wie vor ein Thema.


Der Wettbewerb und das Spiel sind für mich die pure Herausforderung. Wenn ich statt des Auftrags die Absage bekomme, werde ich ehrlich gesagt noch heute einfach nur sauer. Letzten Samstag hat mich auf meiner Joggingrunde eine Frau überholt – die war grauer und hat mich überholt. Wenn mich eine 30- oder 40-jährige Frau überholt, kann ich damit leben. Aber eine die grauer und nach meiner Rechnung älter ist als ich? Nein, das geht nicht, und dann habe ich aber meinen Rücken mal durchgestreckt und trabte hinterher, das wollte ich dann doch nicht auf mir ruhen lassen. Zum Glück ist sie abgebogen, sonst wäre ich noch heute im Sauerstoffzelt. Das sind so persönliche, kleine Niederlagen. Aber dann gibt es noch eine Niederlage, in der ich als ganz schlechte Verliererin hervorgehe.


Das ist die Niederlage, die man hätte verhindern können. Man stelle sich vor, man hat an einem Projekt gearbeitet, hatte die Idee dazu und ganz viel Herzblut investiert. Da waren Momente, in denen man andere Menschen in das Projekt einweihte, die dann begeistert in die Hände klatschten und von denen man jedoch auch Wochen später nichts mehr hört. Aber der Moment war schön, der Moment als sie in die Hände geklatscht haben und man das Gefühl hatte: Jetzt gleich kommt es zum Durchbruch! Man konnte durch Enthusiasmus und Worte überzeugen. Und als wäre die indirekte Absage – das Sich-nicht-mehr-Melden – nicht genug. Ja, es gibt die Steigerung dazu. Dann nämlich, wenn ein paar Jahre später das gleiche Projekt hochgefahren wird mit Leuten, die man für das eigene Projekt gewinnen und begeistern wollte. Und in diesen Momenten der Wahrheit spüre ich das Kind in mir und den Wunsch, das Spiel quer durch die Wohnung zu schleudern. Der Moment, wenn die Enttäuschung Überhand gewinnt. Ich habe dann keine Lust auf eine sachliche Analyse warum und wieso, nein, da habe ich einfach nur den Wunsch, mal richtig auszuflippen und einfach mal all meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Und das sind dann die wirklichen Niederlagen, die einfach nicht mehr aufzuhalten sind. Da nützen im ersten Moment keine Zusprüche und gut gemeinte Ratschläge. Für mich persönlich reicht es nicht, eine Nacht darüber zu schlafen, da sitzt der Stachel ganz tief drin. So geschehen diese Tage.


Aber! Jetzt gilt es eben wirklich den Rücken durchzustrecken, Kräfte und Energien aufzubauen und sich einfach nicht unterkriegen zu lassen. Aus Niederlagen gehen die besten Sieger hervor. Die momentane Zeit erlaubt es uns darüber nachzudenken, als was wir denn aus dieser Niederlage hervorgehen wollen. Natürlich als Sieger oder aber als faire Verlierer. Die Hand zu reichen als Verlierer macht uns vermutlich stärker und selbstbewusster.
Beim Monopoly mit Alex habe ich gelernt, du musst einfach die Bank übernehmen, dann kann dir nichts passieren. Lernen, mit dem Spiel umzugehen und die Hintergründe zu kennen. Und so schnell lasse ich mich nicht mehr überholen, ob grauer oder verspielter, das ist ein Versprechen an mich selber.


Die Erkenntnis: Ich bin eine schlechte Verliererin, aber ich liebe das Spiel.

Das Bier und ich – ein Still-Leben

Mit diesem Bier verband mich bis anhin so manch schöne und unvergessliche Partynacht. Wir fanden es schon wahnsinnig cool, ein Corona zu trinken. Mit einem frechen Limettenschnitz, den man gekonnt drehte, in die Flasche drückte, diese wiederum umdrehte und es schaffte, dass das Bier nicht überschäumte. Ja, dies machte eine wahre Partyheldin in den 90er Jahren aus. Als ich vor mehr als zehn Jahren auf Cape Code war, tranken wir jeden Abend ein paar Coronas – und wieder eine gute Erinnerung mehr an dieses Bier. Und diese guten Erinnerungen will ich behalten und wieder einmal ein Corona trinken. Es ist ja nur der Name, oder?


Bis vor ein paar Wochen haben wir noch Witze gemacht und dafür musste das Bier auch hinhalten. Flach waren sie, die Witze und flach bleiben sie. Wir müssen nun vernünftig sein, schwierig für den Grossteil einer Gesellschaft, die bis anhin keine Grenzen der Vernunft kannte. Da banden wir den Senioren Schrittmacher um das Handgelenk und hielten sie an, mindestens 10‘000 Schritte pro Tag zu machen. Wir motivierten sie, durch die Wälder zu streifen und die Pace dank moderner Wanderstöcke zu erhöhen. Die Jungen schickten wir easyjet sei Dank nach Barcelona in den Ausgang und nach London Jeans shoppen und wir trieben sie an, in vollen Clubs sich dem Beat hinzugeben und das Leben zu geniessen. Den Franken laufen lassen, die Dollars, Euros, Pfunds unter die Leute zu bringen. Alles aufzunehmen und zu posten, Vlogs zu machen und sich fröhlich und unbeschwert zu zeigen. Den puren Genuss zelebrieren. Und dann – die ultimative Freiheitsberaubung – zwar Empfehlungen von der Regierung – dennoch? Wirklich wir?


Das stille Leben hat auch seine Gründe, die Welt hat uns mitten ins Gesicht geschlagen. Das Grinsen des prallen Lebens ist uns nun vergangen. Niemand weiss, wie lange wir praktisch stillstehen, vielleicht wissen wir auch nicht, wie wir mit diesem Stillstand umgehen sollen, müssen uns erst sammeln und sortieren.
Ich auch, ich musste mich sammeln und sortieren. Meine Tage waren immer so durchorganisiert und alles stand mir zur Verfügung. Dann die Hektik vor dem Stillstand – und auf einmal ist es still. Am Himmel ist es richtig easy, in den Strassen ist es still und unheimlich. Damit müssen wir nun umgehen und wir müssen hinsehen und umsehen. Es gibt auch im Stillstand viel zu beobachten, zu tun und vor allem sind wir unserer Freiheit noch lange nicht beraubt, aber der Lebensrausch wurde nun jäh unterbrochen.


Wir sind richtige Jammerlappen geworden, dabei stehen uns Dinge zur Verfügung, die ein stilles Leben nicht einsam machen. Wir sehen uns am Telefon, wir können noch Spaziergänge machen, wir können endlos in voller Freiheit telefonieren und uns E-Mails schreiben. Wir können uns immer noch aufregen über Menschen, die Toilettenpapier kaufen oder Hamsterkäufe tätigen. Wir haben keinen Krieg – aber wir haben eine Krise und die gilt es auszustehen.
Mit oder ohne Corona – ich sehne mich nach einer lauen Sommernacht mit einem Bier und einem stillen Augenblick im Leben.
Stay strong!

Für alle........

Beziehungen sind ja an sich schon sehr kompliziert; aber mit all diesen verschiedenen Sexualitäten ist das Leben nicht nur vielfältiger, nein, es ist auch komplizierter geworden. Kaum wird ein neues Gesetz angenommen und es wird vor Freude getanzt, wird gleich nachgelegt und zwar nicht Brikett für Brikett, neinnein, da wird Öl ins Feuer geschüttet. Also ganz schön aufmüpfig, wie diese Homos, Trans und weiss-der-Himmel-was-alles hochstehen. Nach Antidiskriminierung kommt nun die «Ehe für alle». Gewisse Parteien kommen ganz schön in Bedrängnis und sprechen davon, das Fuder sei nun schon etwas überladen und überhaupt, also jetzt müsse man schon mal bremsen. Da bekommen die ihr Diskriminierungsgesetz und Stammtischwitze können nun bestraft werden und dann wollen die keinen Tag später die Ehe für alle. Und dann, so die weise Voraussicht, kommen Samenspenden und Adoptieren für alle. Nicht auszudenken, oder? Ein riesiges Durcheinander und das für alle.


Ich frage euch, liebe Blogfreunde. Wo kommen wir denn da hin? «Für alle» geht nicht, das ist einfach nicht möglich. Jetzt haben wir seit tausenden von Jahren dieses Privileg für die Heteros, weil das ist die Form, die gelebt wird und an die wir gewöhnt sind. Und jetzt auf einmal soll das für ALLE gelten. Das wäre ja gleich wie Essen für alle, Wasser für alle, Hunger für alle, Tiere für alle, Arbeit für alle usw. So geht es nun wirklich nicht, es braucht schon eine gewisse Linie, sonst gibt es ein Durcheinander und überhaupt, wenn die Ehe für alle kommt, dann sind Kinder für alle auch nicht mehr weit. Weil die Präsidentin meiner Lieblingspartei, der EVP, hat das schon im Herbst vorausgesagt. Nach der «Ehe für alle» komme «Kinder für alle» und das geht nun wirklich nicht.


Und da frage ich mich immer wieder, was löst diese Ehe für alle für Ängste aus? Was genau soll daran falsch sein? Wir profitieren doch ALLE davon. Die Kirche, die Hotellerie & Gastronomie, die Zuckerbäcker, die Blumengeschäfte und die Kleiderindustrie. Und die Gesellschaft? Die Gesellschaft kann in einer Zeit von Grössenwahn und Egoismus ein FÜR ALLE sehr gut vertragen. Nun müssen sich gewisse politischen Parteien an ihr Wahlversprechen halten und für alle kämpfen. Es wird nicht weh tun, sich für einmal für die einzusetzen, für die nicht das Gleiche und alles gilt. Für die, die sich so vieles erkämpfen müssen für ihre Community und ihre Rechte. Das ist für alle und wenn wir dann soweit sind, können wir für die Scheidung für alle kämpfen.

Gleichstellung heisst für mich nicht nur, Mann und Frau verdienen gleich viel Geld für die gleiche Arbeit, sondern Gleichstellung bedeutet für mich das Gleiche für alle bitte. Und das mal zwei.

 

Merci bien une schöne Tag. Für alle.


Ds nächste Thema bitte.

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