Für die zahlreichen Gäste und die grossartigen Begegnungen an den vergangenen Buchvernissagen möchte ich mich herzlich bedanken!

Bilder und Eindrücke folgen

Willkommen in Tina's Privé - dem Alltags-Blog

Der Alltag ist unser bester Freund, er lässt uns am wirklichen Leben teilhaben und überrascht uns immer wieder mit wunderbaren Gegebenheiten, die es verdienen, dass man über sie schreibt. Als ich im Januar 2016 meinen ersten Blog veröffentlicht habe, verschrieb ich mich anfänglich meiner beruflichen Leidenschaft. Die Gastronomie – ach – da gibt es so viele Themen und Anekdoten und schon nur aus meiner Erfahrung könnte ich hunderte von Erlebnissen zu Papier bringen.

 

Doch, Hand aufs Herz, was sollte ich noch darüber schreiben, das nicht schon geschrieben wurde? Da fühle ich mich im Alltag viel besser aufgehoben. Also fahre ich weiter mit meinen Alltagsgeschichten und ja, ich freue mich über Kommentare, SMS, E-Mails oder auch über Postkarten.

Shopping in Shoppingen

Ich gehöre zu den Ferienshoppern, nicht online, nicht Weekend, nicht wenn mir langweilig wäre, nein, ich liebe es, mit viel Zeit zu shoppen und ich tue es gerne und dann kaufe ich ein als würde es kein Morgen mehr geben. Hemmungslos gebe ich viel Geld aus und das meistens zwei Mal pro Jahr. Vier Mal wäre nämlich mein Untergang. Ich shoppe klassisch in Geschäften oder in so grossen Shoppingcentern, wo alles da ist, was Rang und Namen hat. Von der Kleiderkette bis hin zur Kaffeekette, weil da weiss man, woran man ist.


So auch in diesen Ferien. Und ja, es nervt mich schon lange, aber dieses Mal hat es einfach dem Fass den Boden rausgeschlagen. Ich kann nämlich durchaus Menschen verstehen, die nicht gerne shoppen, die können ja zu Hause bleiben und vielleicht online shoppen oder so. Was aber diese Menschen nicht können, ist das Kind online hüten lassen. Aber weil das Shoppingvergnügen so toll ist, nimmt man dann gleich noch Vater und Mutter mit, die können dann alle abwechslungsweise die Kinder hüten. Aber der Reihe nach. Ja, ich war also in diesem Einkaufstempel im Tessin – so ganz südlich. Und dort waren der Parkplatz und das Parkhaus schon eine Stunde nach Center-Öffnung knallvoll. Und beim näheren Betrachten der Autos ahnte ich, was auf mich zukommen würde.


Dieses Einkaufscenter ist nun wirklich sehr gross und überall gibt es Bänke und Restaurants, wo man sich ausruhen kann. Wenn man so wie ich Powershopping betriebt, ist das im Fall ganz angenehm. Meiner Meinung nach könnte man ja mit den Kleinkindern, die wahrscheinlich Hunger haben oder Durst oder die einfach nach Hause möchten, auf diesen Bänken oder in diesen Restaurants warten. Aber nein, heute wird mit den Kleinkindern geshoppt und zwar geht das so: Mutter in der Kabine, Vater mit Kleinkind UND Kinderwagen im Geschäft und muss Mutter beliefern. Dann wieder retour und das ganze Spiel von vorne in verschiedenen Geschäften. Zudem ist da noch die Schwiegermutter, die im Rahmen der Kabine steht und den Schwiegersohn auch noch rumkommandiert. Und so läuft das an einem Regentag, denn dann hat man doch so schön Zeit und überhaupt und so. Kinder und Väter die total überfordert sind schreien herum, rennen mit Sommerröcken durch die Gegend und die Mütter stehen völlig entnervt in der Kabine und regen sich auf, warum ihr Alter nicht in der Lage ist, die richtige Grösse zu finden – was zugegeben schwierig ist, denn die Kleiderberge sind sowas von unübersichtlich und da tummeln sich noch andere rum. Getoppt wird diese Geschichte nur noch von dem Paar, das dann mit dem Zwillingskinderwagen in das Geschäft kam, gefolgt von beiden Grosseltern, aber da war ich zum Glück schon bei der Kasse. Das ist ja noch amüsant oder?


Was mich dann aber wirklich aufregt sind die Zubringer in der Abteilung Unterwäsche und da liebe Männer, habt ihr einfach nichts verloren, auch wenn ihr noch so emanzipiert seid oder ihr doch nur helfen wollt. Nein, da habt ihr nichts verloren und da ärgert ihr mich masslos. Ihr könnt euch das dann meinetwegen zu Hause anschauen in echt, aber nicht rumhühnern und mit Spitzen-BHs rumlaufen. Ebenso nerven mich die Weltbürger aus dem Nahen Osten, die als Eskorte mit ihren Frauen einkaufen. Auch die haben eigentlich in den Garderoben nichts verloren. Denn wir Frauen wissen schon wie wir uns unter uns bewegen und so. Da braucht es keine fetten Typen, die sich vor der Garderobe aufstellen, oder die ihren Frauen sagen, was sie nun anziehen sollen oder so. Schade eigentlich, können wir diese Frauen nie in einem tollen Kleid sehen, sondern sehen nur ein bisschen Augen. Ich bin überzeugt, es wären wunderschöne Frauen. Aber lassen wir das, es ist zu politisch.


Eines muss ich noch los werden. Shopping macht nur dann wirklich Spass, wenn man Shopping wie alles andere auf der Welt mit jemanden teilt, der sowas genauso liebt. Einfach mal loslegen und dann die Einkäufe so richtig feiern. So macht Shopping Spass.

 

Oder: So geht Shopping!

Ich bin dafür

Mit zunehmendem Alter habe ich festgestellt, es lässt sich besser leben FÜR etwas zu sein als GEGEN etwas. Es lässt sich auch leichter kämpfen für eine Sache, als gegen eine Sache. Gegen etwas zu sein hat schon von Anfang an einen negativen Touch und es tönt nach Arbeit und Engagement.


Als ich noch jünger war, liebte ich die Debatte, einfach gegen etwas zu sein und dafür zu argumentieren. Am grossen Tisch mit vielen Leuten einfach gegen etwas zu sein, damit die Diskussion in Schwung kam, mit allem Drum und Dran und da regierte mich ein inneres Teufelchen –ich gebe es zu. Aber die Diskussion war in Schwung und mit ein bisschen Öl brennt das Feuer einfach besser und länger. Die Diskussionen sind leidenschaftlicher mit ein paar Kontras und die Kunst ist es ja, fair zu bleiben, eine andere Meinung zu akzeptieren. Und bei mir lösten solche Diskussionen immer einen innerlichen Wettbewerb aus, ob ich denn auch wirklich fair und sportlich damit umgehen kann oder konnte.
Bei all diesen heutigen Fragen gerät man schnell einmal in Kritik, wenn man gegen eine Sache ist und noch viel mehr, wenn man nur beobachtet und sich seine Gedanken macht. Man soll sich immer gleich outen und die Kleinen fordern Bekenntnisse und am liebsten noch für ihre Sache, denn sonst machen sie mal so richtig Radau. Und auf einmal ist man mittendrin, wo man gar nicht hinwollte und schon gar nicht so aggressiv und so direkt.


Letzthin sah ich mir eine politische Sendung der 80er Jahre im TV an. Ha, da ging die Post noch ab, da wurde einander so richtig Guzzi angemacht, ohne das heutige dazugehörende fiese und lustlose Lächeln, nein da wurden noch Finger aufgehoben und aufeinander gezeigt, als hätten sie alle vor der Sendung zu viel Fendant getrunken. Ich habe einmal eine politische Sendung in den 90ern in einem Privatfernsehen aus dem Kanton Zürich erlebt, da ist eine Politikerin aus dem Studio gelaufen, einfach so. Ich finde das nach wie vor einfach genial. Genug ist genug und jetzt könnt ihr mich alle mal. Heute würde es einen Aufschrei geben, denn heute wird ja immer gelächelt, wenn man eine Frage gestellt bekommt und wenn man einander dreinredet, dann lächelt man, obwohl man den Gesichtern ansieht, die könnten dem Gegenüber ein Pulver ins Wasser schütten. Aber nicht Berocca.


Wir haben also gelernt freundlich zu sein, aber nicht mit zu vielen Emotionen (das ist etwas für Unbeherrschte). Und dann bitte auch noch das anwenden, was man bei der Kommunikationsagentur wochenlang vor der Kamera geübt hat, ansonsten wäre diese Investition auch für die Katze.
Vielleicht bin ich deshalb zum Lager der stillen Ja-Sager gewechselt, weil ich diesem Lächeln aus dem Weg gehen will. Ehrlich gesagt fehlen mir manchmal die Diskussionen auch im Freundeskreis, dieses Aufreiben und dieses Kontroverse und vielleicht wollen auch meine Freunde und Kollegen nicht mehr mit mir diskutieren, weil es zu anstrengend geworden ist. Schade eigentlich. Wenn ich es mir so überlege, könnte ich ja mal wieder ein bisschen das Feuer, das mittlerweile ein bisschen erloschen ist, entfachen und mal ein paar Gläser Fendant trinken und es so richtig zum Lodern bringen.


Ich wäre grad so in Stimmung, ihr so?

Wunschkonzert

Als ich Kind war, gab es so ein Ritual, welches ich nie vergessen werde. Am Montagabend durfte ich mit meiner Mutter die Gemeindebibliothek besuchen – nur meine Mutter und ich. Dann kamen wir nach Hause und ich verkroch mich mit meinen neuen Büchern in mein Zimmer und meine Mutter bügelte meistens. Dazu hörte sie das Wunschkonzert, damals hiess der Sender noch Beromünster und bei unserem Radio gab es ein Rad mit sechs Sendern. Es war meistens die 5, Beromünster, meine ich. Das Wunschkonzert dauerte drei Stunden und war in drei Musikrichtungen aufgeteilt. Den ersten Teil verpassten wir meistens, den Ländlerteil. Ab 21 Uhr wurde dann auf Pop und Rock geschaltet und nach 22 Uhr kam die Klassik zum Zug. Bei Pop und Rock war ich auch dabei und ich weiss nicht genau, wie oft ich den Song mit dem LKW Funk und irgendeinem Teddybären gehört habe. Ebenso Peter Maffays 7 Brücken und dann noch Gitte. Aber das war damals so. Einmal im Jahr gab es ein Wunschkonzert für die Kranken und dann noch für die Gefangenen. Ist im Fall wahr. Ich weiss auch, meine Mutter nervte sich immer etwas über die Grüsse, die da gesendet wurden. Vor allem diesen da: «Ich grüsse alle, die mich kennen.»
Heute verstehe ich meine Mutter. Meine Mutter hörte natürlich das Wunschkonzert bis zum Ende. Inklusive Klassikteil, das war schliesslich und endlich der Teil, der sie interessierte und mit einem Wäscheberg von einer sechsköpfigen Familie war es nicht verwunderlich, dass sie es bis zum Ende schaffte. Ja und wenn wir schon bei damals sind, damals wurde noch alles gebügelt und zwar picobello. Am nächsten Tag durften wir unsere Wäschebigeli abholen und in unsere Schränke versorgen. Es hat mich geprägt, denn ich bügle auch gerne. Zwar nicht montags und mit dem Wunschkonzert im Hintergrund, aber bei mir läuft der TV und das meistens samstags.


Als ich in die Ferien fuhr, empfing ich – DAB sei Dank – einen Sender der Zentralschweiz. Und auf diesem Sender wird täglich von 10.30 bis 11.30 Uhr ebenfalls ein Wunschkonzert gesendet. Heute gibt man die Grüsse mit WhatsApp-Sprachnachricht durch oder wie auch immer. Aber diese Grüsse sind nun wirklich nicht zu überbieten. Und weil ich dachte, es sei eine Ausnahme – und wiederum DAB sei Dank – habe ich mir diese Sendung noch zwei Mal angehört. Da gab doch einer einen Gruss an sich selber durch, dann noch einen für seinen Neffen, der Geburtstag hatte und einen weiteren an seine Schwägerin, mit dem Kommentar: «Für Netty, die alte Schachtel.» Und der fand das komisch und ich fand es doof. Dann einer vom Muotathal und ich habe jetzt wirklich kein Wort verstanden, was der gesagt hat und der wünschte sich Status Quo. Überhaupt sind die Musikwünsche äusserst vielfältig. Ja da wundert man sich noch oft, was so gewünscht wird. Und da läuft mein Kopfkino auf Hochtouren. Wie sieht jetzt einer aus, aus dem Muotathal, der sich Status Quo wünscht und den man nicht versteht? Oder wie sieht der Schwager von Netty aus? Und wie wohl Netty? Da sind meiner Phantasie keine Grenzen gesetzt und ich kann mich manchmal Stunden damit beschäftigen.


Ich wäre an sich mit dem Gruss überfordert, aber auch mit dem Musikwunsch. Und ich muss jetzt ehrlich sein: Ich habe mir also während meiner Ferien dieses Wunschkonzert angehört, so ich dann konnte und ein DAB-taugliches Gerät in der Nähe war. Einfach nur fürs Amusement und dieses Amusement ist offensichtlich so gut, dass es einen Blog wert ist.

Schätzu and more

Letzthin hatte ich eine Besprechung mit einem wahrscheinlich gleichaltrigen Mann. Als wir das Geschäftliche beinahe erledigt hatten, schwenkten wir noch in den unvermeidlichen Schlusssmalltalk. Der ist beinahe so anstrengend, wie der Eröffnungssmalltalk. So endlos. Ich setze diesem Ritual mittlerweile dann mal einfach so einen Riegel; ich mag das nicht, dieses sinnlose Hin und Her – einfach nicht mehr. Nachdem ich gefühlte hundert Mal «also» gesagt habe, erhebt man sich endlich und der Weg zur Türe ist wieder so endlos lang. Und wir wünschen einander, erneute hundert Mal, einen schönen Tag und bedanken uns weitere gefühlte hundert Mal. Und gut ist. Zum feurigen Schlussbouqet schreiben wir uns noch eine E-Mail und bedanken uns für das tolle Gespräch und bedanken uns für Kaffee, Wasser und so weiter. Nun so denn.


Also zurück zum Punkt. Ich sass mit diesem Herrn X in der Schlussphase, dem so genannten Schlusssmalltalk, und dann erzählte er mir von einem gastronomischen Erlebnis. Er musste sich also wirklich aufregen, weil es nicht so klappte, wie er sich das vorstellte und ER hätte dann schliesslich Erfahrung in diesem Bereich und jetzt kommts: Sein SCHÄTZU hätte ihm dann gesagt, er sei so toll gewesen, wie er sich da geschlagen habe und diesen Typen aus dem Tessin, die nicht mal Deutsch sprechen, den Tarif auf Deutsch mal durchgab. Und in seiner Aufregung erwähnte er Schätzu und noch mal Schätzu und überhaupt und Schätzu hin und Schätzu her. Ich übertreibe wirklich nicht, so ging das fünf Minuten mindestens und es kam mir vor wie Stunden. Und mir war schon ganz schwindlig vom Zuhören und von der Vorstellung von diesem Schätzu-Karussell, denn Schätzu liess mich nicht mehr los. Ich habe mich dann gefragt, ist Schätzu eine Frau oder ein Mann (ich ging davon aus: es ist eine Frau), ist Schätzu eine gestandene Frau oder ein Huscheli, was arbeitet Schätzu? Aber es stellte sich heraus, Schätzu war eine Frau und die hatte auch einen Namen. Himmel bin ich froh, denn also als Schätzu durchs Leben zu gehen, hat nun wirklich niemand verdient. Nein, niemand. Ich meine, Schätzu Müller – ganz schön frech oder?


Nun, diese Kosenamen sind ja wirklich entzückend. All die Hasis, Schnuggelchen, Schatzis und so weiter. Ich finde jedoch, all die Partner_innen die neben einem durchs Leben gehen, die haben mehr verdient als ein Schätzu. Und wenn schon in Hasiform, dann bitte in den eigenen vier Wänden, weil Leute: Es überfordert mich. Sollte ich Schätzu einmal persönlich treffen, weiss ich schon jetzt, ich werde enttäuscht sein, denn ich habe so ein Bild von einem Schätzu. So wie ich Bilder habe von Käferlis, Schnuggelchens, Darlings, Honeys etc. Im Grunde genommen ist das ja Privatsache und soll auch Privatsache bleiben; so gehen wir diesen Namen elegant aus dem Weg.

Denkste.

In meinem Freundeskreis gibt es nämlich auch so einen Fall. Fall «Schatzi». Da wurde eine neue Freundin in den Freundeskreis aufgenommen und in einer Bier- oder Weinlaune wurde aus Spass im Sinne von «wann lernen wir denn dein neues Schatzi kennen?» Ernst. Von einem Moment auf den anderen hiess sie einfach Schatzi und wird noch heute so genannt. Im erweiterten Kreis wurde ich schon oft zur Seite genommen und man fragte mich: «Tina, wie heisst Schatzi richtig?» Reden wir von Schatzi, fragt niemand nach von wem wir sprechen, ist ja klar. Ah, ist das nun dasselbe oder nicht? Schatzi nimmt es mir nicht übel, denn sie weiss, mittlerweile ist es ein Nickname und das ist ja schliesslich cool heutzutage und auch ein bisschen unique, so mit über 50 Jahren rufen einem die Freunde ein freudiges «Schatzi!» zu.

 

Aber Schätzu geht dennoch nicht, nein, geht gar nicht.

Frauenfussball

Wer mich kennt weiss es und wer mich gut kennt weiss auch: Wenn es ein für mich zählendes Mass angenommen hat, werde ich zur Tamara Funicello des Frauenfussballs. Und das tue ich auch im Wissen, denn dieser Blog wird nicht eine Geschichte aus meinem Alltag oder einer aus der Vergangenheit, nein, es wird ein Blog von mir und vielleicht auch etwas für mich, denn aufgepasst – ich lasse jetzt so richtig Dampf ab.


Wer es noch nicht bemerkt hat (was aufgrund der Berichterstattungen in der Schweiz durchaus möglich ist): Es läuft die Frauenfussball Weltmeisterschaft. Es wird Fussball gespielt und ich liebe Fussball, die Atmosphäre im Stadion, die Diskussionen, die Debatten undundund. Vor einem Match, den ich live im Stadion besuche, bin ich immer sehr aufgeregt und nervös – es prickelt. Im Vorfeld dieser Weltmeisterschaft wurde viel geschrieben und die Prognosen und Wetten liefen auf den Portalen heiss. Und dann ging es endlich los, aber in die falsche Richtung.


Wenn es um Frauenfussball geht, gibt es nur Schwarz oder Weiss. Und ich habe es wirklich satt, diese plattgedrückten Kommentare. Sagte ein Kollege mal zu mir: «Ich habe gestern Frauenfussball geschaut, da würden meine Junioren, die ich trainiere, gegen diese Frauen gewinnen.» Zitat Ende. Dazu ein doofes «ask me»-Gesicht. Zugegeben, in diesem Moment war ich schon geladen, ich zählte von zwanzig zurück und habe ihm gesagt: «Du hättest ja umschalten können, wenn es dich gelangweilt hat – warum schaust du dir das an, nur um zu sagen, wie toll du deine Junioren trainierst?» Ebenfalls Zitatende – und dann war es still am Tisch.


Vor ca. drei Wochen sah ich mir den Club an. Es ging um Fussball, nicht nur um Frauenfussball, aber auch. Wegen der Kohle und den Unsummen an Transfergeldern und überhaupt. Die Gästeschar war ja wirklich das Mass aller Dinge an Unmöglichkeit. Da sassen Meriame Terchoun, Fussballerin (Nationalmannschaft und FCZ), Beni Turnheer, Sportreporter in Pension und Fussballexperte (70), Erich Vogel, Fussballmanager, Experte und überhaupt (80), Claudius Schäfer, CEO Swiss Football League (?), Mario Fehr, SP Politiker (60) und ER, THE ONE König Josef Blatter (gefühlte 100 Jahre). Nichts gegen diese lustige Rentnerrunde – mit Ausnahme von Meriame Terchoun und Claudius Schäfer – aber diese Zusammensetzung war nun mehr als dürftig und dem Fussball und insbesondere dem Frauenfussball gegenüber eine Frechheit. Und wenn dieser Service Public schon solch eine Runde einlädt, nichts gegen Meriame Terchoun, aber allenfalls wäre hier eine andere Person (z.B. Tatjana Haenni) doch eine bessere Wahl gewesen. Blatter lebt in seiner FIFA Vergangenheit und offenbar gut, Mario Fehr faselte etwas von «alli im Kanton Züri tschuttet gern» und Turnheer hat den Vogel verbal abgeschossen, dieser flog dann einflüglig in die Verwirrung, so dass er noch den Namen der Moderatorin verwechselte. Es war ein sehr trauriges Schauspiel mit dem Resultat: nichts Neues und Erleuchtendes am Fussballhimmel. Wie auch, bei dieser Besetzung!


Aber nun zum Anpfiff dieser WM. Nach den Gruppenspielen, die im übrigen sehr gut waren und von einer Lebhaftigkeit zeugten, wie noch nie gesehen, rückt das Feld enger zusammen. Die Topnationen USA, Deutschland, Frankreich, England etc. finden Gegner auf Augenhöhe. Medien berichten unterschiedlich. Doch nicht das Spiel beherrscht die Berichterstattung, nein, es sind die Nebenschauplätze. Megan Rapinoe, einer der weltbesten Fussballerinnen, legt sich mit Trump an in einem Twitterkrieg. Es wird gemunkelt, die habe es auf die Spitze getrieben, die hat sich schliesslich die Haare lila gefärbt und ist lesbisch und das offen. Oder Pernille Harder (Dänemark), das ist dann doch das Toupet, die küsst ihre Partnerin (Schwedin) und die beiden tragen das Trikot Schwedens mit der Nr. 6. Gut, der Kuss ist nicht mal das Problem, die im Norden machen ja sowieso was und mit wem sie wollen. Nein, das Problem war, die Dänin Harder im Trikot Schwedens. Landesverrat auf höchster Ebene. Dies veranlasste die Zeitung (mit den sowieso wenigen, dem Thema gewidmeten Buchstaben) zu einem ausführlichen Bericht, wer mit wem und so, weil… im FF ist das ja logisch, da sind alle Fussballerinnen so. Wie so? Eben so…! Weil Frauen sollen doch keinen Fussball spielen, die sollen Synchronschwimmen, Eiskunstlaufen oder rhythmische Gymnastik präsentieren. Aber nicht Fussball, nein, das ist dann schon was für die Männer. Und überhaupt, ich rufe die Junioren in Erinnerung.


Aber weit gefehlt, es sind nämlich nicht alle so negativ und haben eine derart lächerliche Einstellung zum Frauenfussball. Ich habe einen Freund, der ist eingefleischter Bayernfan, wir treffen uns ab und zu zum Bier. Und dann reden wir über Fussball, so richtig wie die Fussballversteher es eben tun. Da geht es um Bayern und ManU und dann wieder um die WM und alles hoch und runter und links und rechts und wir können stundenlang debattieren. Er ist einer, dem geht es um den Fussball und nur um den Fussball – das schätze ich an dir, mein lieber Joël.


In einem der Kommentare einer Onlinezeitung habe ich zum Thema FF gelesen: «Zum Glück ist diese WM vorbei, ich kann es nicht mehr sehen und hören.» Eine Antwort eines Kollegen: «Ja, das geht mir beim Tennis auch jedes Jahr so.»
Man darf zu allem eine Meinung haben und sich frei äussern. Eine Antwort ebenfalls und das war meine zum Thema Frauenfussball. Und ich werde weiterhin zu diesen Matches gehen und mich freuen. Das nächste Mal trifft man mich am Sonntag, live vor Ort in Lyon.
À bientôt.

Vorbilder

 

Die einen haben eines, die andren haben keines und dann gibt es noch die Selbstbewussten, die brauchen keines oder ernennen sich selber dazu. Ein Vorbild. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht verkehrt ist, mehrere Vorbilder zu haben und von diesen sich das Bild zu nehmen, welches am besten zu einem passt. Heute sagt man nicht mehr Vorbild, heute sind es die Influencer, denn was die tagtäglich posten wird gekauft oder kopiert. Viele Kinder nehmen sich Vorbilder aus dem Sport, was durchaus gut ist, sie identifizieren sich mit einem Trikot und der entsprechenden Nummer und dem Namen auf dem Rücken und stolzieren so durch die Gegend. Für die Kinder toll, für die Wirtschaft noch toller und für Eltern, Gottis und Göttis teuer, schliesslich muss es das Original sein. Irgendwann wächst man aus dem Trikot raus und wird selber zum Idol, oder aber zum Vorbild oder gar Influencer.

 

 

Es gibt sie ja nicht nur im Sport, die Vorbilder, es gibt sie überall. Politik finde ich im Hinblick auf die anstehenden Wahlen sehr spannend. Da werden Kampagnen aufgrund der auf uns zurollenden Klimakatastrophen gewechselt und dies ausgerechnet von der Partei, in der mein Vater stolzes Mitglied war. Ja, es kam sogar soweit, dass wir Müller-Kinder, als wir endlich wählen durften, das Parteidiktat geimpft bekamen. Und als wir dann aus Familienprotest mal einen oder eine Rote(n) auf die Liste setzten, hing der Familienparteisegen bei Müllers so was von schief. Und noch heute, wenn ich wähle, kommt mir diese Szene immer wieder in den Sinn. Vorbildlich von meinen Eltern, wie ich finde, denn sie haben uns gelehrt zu wählen, sich damit auseinanderzusetzen – vielleicht ein bisschen einseitig was die Partei betrifft, aber wir haben es vorgelebt bekommen. Heute werden wir über die sozialen Medien oder im TV geinfluenct, wo immer die Kandidaten sind. Ob bei einem Fussballspiel (obwohl sie mit Fussball gar nichts am Hut haben) oder einem Schwingfest (das ist neuerdings ganz hip) oder bei der Eröffnung einer Hängebrücke oder bei der Taufe einer Kuh oder aber bei einem Streik – oder einer Pride. Auch dies ein Thema, was wirklich ganz hip ist. Zeig dich auf einer Pride und du hast die Stimme. Weil, man kennt ja bestimmt so ein Homopärchen oder hat einen schwulen Freund oder eine lesbische Kollegin. Und schon werden Regenbogenfahnen geschwungen und die Ehe für alle wird ausgerufen. Und das ist wirklich wunderbar, muss ich sagen. Aber das macht sie noch nicht aus, die Stimme – zumindest für mich nicht.

 

 

Ich hatte Vorbilder und habe sie noch immer und mittlerweile bin ich in einem Alter, wo ich vielleicht auch eines bin oder eines sein sollte. Meine Eltern haben mir immer sehr gute Lebensbilder gegeben, ebenso meine Grosseltern. Und dann kamen die Chefs und da gab es einen Hotelier von einem Format, der schon ein Mentor war. Er lebte Bilder vor, die ich noch heute präsent habe. Er sprach nicht nur in Schlagwörtern, sondern ebenfalls in Bildern und in einer Präzision, die sich in mein Hotelhirn eingebrannt hat. Dafür bin ich unendlich dankbar. Keine Vergänglichkeit, sondern eine Vision von einem grossen Meister.

 

 

Während einem Apéro sagt A zu B: «Was machen Sie beruflich?»

 

B: «Ich bin Inf…» – A unterbricht und sagt: «Schöner Abend noch...!»

 

 

Und was habt ihr so für Bilder?

 

Macken, Rituale und so Sachen

Ich denke, ich habe so einige Macken und Angewohnheiten, die mit den Jahren nicht weniger werden, aber schon immer zu mir gehörten. So wie gewisse Rituale. Rituale finde ich grossartig, Macken nicht so sehr, aber ich denke wir müssen mit ihnen leben. Interessant und spannend wird es, wenn einem Mitmenschen darauf aufmerksam machen. Und dann gibt es Sachen, die man einfach so von den Eltern übernommen hat. So auch bei mir.


Beginnen wir doch erst einmal mit den Macken. Ich habe offensichtlich eine Macke, wenn ich meinen Bürotisch verlasse. Das wurde mir so übermittelt. Ich lasse den Stuhl nach hinten schnellen und schiebe diesen nicht artig zurück an den Tisch. Und so verlasse ich auch das Büro. Bei meinem Bruder Alex ist das der Normalfall, der ist dermassen chaotisch, das fällt nicht auf, aber bei mir ist es schon sehr ungewöhnlich. Eine weitere Macke ist, in Bewegung zu bleiben beim Telefonieren. Deshalb habe ich immer Telefonapparate, die mit mir gehen. Koffer packen ist eine weitere Sache, denn nichts wird eingepackt, bevor es nicht schon einmal eingepackt wird in einen Plastiksack und dies nach Kleidersorte. Ich finde dieses Outing verdient an sich schon einen Preis. Die Liste wäre hiermit zu Ende, denn ich kenne keine weiteren auffälligen Macken mehr an mir.
Rituale sind spannend. Ich gehe niemals, wirklich niemals ohne Frühstück aus dem Haus und ich esse seit gefühlten 45 Jahren das gleiche – na ja vielleicht der Kaffee kam erst später dazu und das Magnesium auch. Das Badritual ist auch immer gleich und wehe mir kommt ein versehentliches Verschlafen in den Weg – nicht auszuhalten für meine Mitmenschen. Hingegen kann das Abendritual schon immer je nach Müdigkeitsgrad abweichen. Was ich hingegen weiss, ich schlafe immer und wirklich immer gleich ein. Da ich nicht abergläubisch bin, stehe ich nicht immer gleich auf, ob mit dem linken oder rechten Fuss zuerst ist dann wirklich nicht so wichtig. Anders wahrscheinlich bei Spitzensportlern etc. Zu guter Letzt: Bügeln – ich beginne immer mit den Blusen, wahrscheinlich weil es meine Mutter immer so gemacht hat. Die hat immer montags gebügelt mit dazumal DRS 1 – Wunschkonzert. Aktuell kommt Samstagmorgen immer «Das erste Mal» – auf SRF 3.


All diese Dingen geben einem Tagesstruktur. Morgens im Tram checke ich die Leute und überlege mir, wer wohl nach solchen Ritualen lebt. Bestimmt nicht die, welche im Tram noch ihr Frühstück nehmen oder sich schminken. Obschon, auch das sind Rituale – es sind Wiederholungstäter und ich kenne sie. So wie ein Nachbar, der jeden Abend mit seinem Hund um die gleiche Zeit die Runde dreht. Nachbar und Hund sind älteren Jahrgangs und ich nenne die beiden das Feierabendduo. Es passt.


Wir leben mit ihnen manchmal gut und manchmal weniger gut. Vor allem die Macken können schon lästig sein, aber sie gehören zu einem und manchmal muss man all diese Dinge mit einer richtigen Portion Humor nehmen und über sich selber lachen können. Diese Sachen prägen einem, sie gehören zum Charakter und den typischen Merkmalen, die einem einzigartig machen. Selbst wenn man sie von den Eltern unbewusst übernommen hat, sie sind an den Kindern und späteren Erwachsenen trotzdem einzigartig. Antrainierte Macken oder Rituale finde ich persönlich hingegen etwas doof. Ich kann mich damit nicht anfreunden, es ist gekünstelt. Denn nur die wirklichen Originale sind echt.


Und Sie so? Macken, Rituale und so Sachen?

Hau ab Frühling, ich will Sommer!

Ich bin ja ein Sommerkind und somit liegt es scheinbar nahe, welche Jahreszeit ich favorisiere. Weit gefehlt, ich mag ihn sehr den Sommer, aber noch lieber mag ich den Herbst mit seinen Farben, wenn es wieder kühler wird, jedoch noch die Wärme des Spätsommers in einem steckt.


Mit den Jahreszeiten ist es ja so wie mit dem Essen. Wir können und wollen nicht mehr warten bis jede Jahreszeit ihre Saison hat. Also rutschen wir bereits im November auf einem kleinen Streifen künstlichem Schnee und im März werden schon die T-Shirts ausgepackt und es wird gejammert, weil der Frühling so lange auf sich warten lässt. Kaum ist Weihnachten vorbei, hoppeln die ersten Hasen durch die orangen Shoppingcenter. Die ersten Spargeln werden beinahe im Februar verkauft, frisch gestochen in Peru. Von den Erdbeeren sprechen wir jetzt mal nicht. Aber wir alle identifizieren uns mit den Jahreszeiten, die Gesellschaft soll noch nie so bewusst gelebt haben. Jaja, bewusst für sich, denn würden sie diesen Zirkus nicht mitmachen, wären wir nicht an diesem Punkt. Würden uns nicht irgendwelche Samen aus Südamerika über unser Essen schütten, wenn es mit Leinsamen auch gehen würde. Wild aus Osteuropa oder Neuseeland gibt es beinahe schon im August und die Liste lässt sich unendlich fortführen. Man is(s)t «saisonal» und «aus der Region», nur weil man mal in den Winterferien Hobelkäse aus der Region zum Apéro pickt?


Die Jahreszeiten haben es in sich und ich liebe es, in einem Land zu leben, wo wir (noch) Jahreszeiten haben. Die vielen Facetten, die Lichter, die Stimmungen und all die Geschmäcker, welche die Jahreszeiten mit sich bringen, sind von wunderbarer Schönheit. Der Frühling ist nicht so mein Ding, das liegt wahrscheinlich daran, dass ich keinen Bärlauch mag. Und vielleicht auch daran, dass ich zeitweilen in Regionen lebte, wo es keinen Frühling gab und vielleicht ist er mir zu unberechenbar – er macht, was er will. Trotzdem, wenn die Natur erwacht, die Blüten ihre Herrlichkeit zeigen, färbt es auf die Menschen ab. Sommer ist für mich dann Ferienzeit und eine Zeit der Gemeinsamkeit. Ich mag den Sommer in der Stadt, die vielen bunten Getränke, das Laute. Und zum Sommer gehört für mich der nerventötende Ton einer Vespa, die spät am Abend durch eine Strasse knattert. Das ist für mich Sommer, das ist Leben, das sind unbeschreiblich leichte Gefühle. Dann folgt der so satte Herbst mit all den Früchten der Sommersonne. Felder die geerntet und voller Stolz verarbeitet werden. Ein Herbstmorgen im Oktober ist unbeschreiblich schön, die Tage werden kürzer. Und dann folgt der König der Jahreszeiten, der Winter. Er kann kalt und eisig sein, er kann einem Winde um die Ohren sausen lassen, bis man das Gefühl hat, sie fallen jetzt gleich ab. Und er kann eine feine, samtige Decke ausbreiten und auf einmal ist alles still und friedlich. Auch ein Wintermorgen hat seinen Reiz – frischer geht nicht.


Die Natur gibt noch vor was sie will und noch haben wir uns an sie zu halten und nicht wir bestimmen den Takt. Wir können uns immer wieder einmischen, aber wir Menschen werden immer in die Schranken gewiesen von Mutter Natur. Tun wir doch das, was wir zu tun haben und geniessen jede Jahreszeit zu ihrer Zeit.


Aber Bärlauch werde ich trotzdem keinen essen.

Klima im Wandel

Liebe Leute, das Klima ist rauer geworden, überall. Auch die Menschen sind aggressiver und angriffig geworden. Nicht nur die Menschen, auch die Wespen, Hunde etc.


Und zu allem kommen noch die Demonstrationen zum Klimawandel. Da gehen sie also auf die Strasse, die Schüler und Gymnasiastinnen und demonstrieren und halten uns vor, welche Sünden wir begangen haben. Ich finde es gut. Ich bin froh, steht eine Generation den Alten mal wieder auf die Füsse und kämpft für oder gegen etwas. Aufbegehren und mal so richtig Dampf machen. Lange genug habe ich gesagt die «heutige Jungend» sei lahm und bediene sich von uns wie von einem gefüllten Kühlschrank. Jetzt kommen sie also, die neuen, verantwortungsvollen Jungen und halten uns eiskalt einen Spiegel des Gewissens vor. Und zeigen mit dem blutten Finger auf uns und machen uns für diese Misere verantwortlich. Sensationell. Sie gehen also freitags auf die Strasse und die ü30 ziehen auch mit. Das wäre dann wohl die Generation Easyjet. Jetzt wo sie überall hingeflogen sind, ist es doch kein Problem auch mitzumarschieren. Und all die Eltern dieser Demojungend laufen auch mit (habe dazu eine Doku gesehen), weil sie (die Eltern) Angst haben, bei all dem Aktivismus würden ihre Sprösslinge allenfalls einem Burnout erliegen. Ja, hat Papa so gesagt. Er war wohl auch schon überall und hat sein Flug-Soll erreicht. Nun kann er hinter Sohnemann marschieren und auch den Karton aufhalten, voller Stolz, weil er es mit der Erziehung hingekriegt hat, das Kind, welches bereits schon mit 17 Jahren Verantwortung übernimmt.


Nun es befinden sich noch mehr Trittbrettfahrer in Aktion. Da wären so genannte C-Promis, die auch mitmachen, weil sie aus lauter Langeweile mit 32 Jahren nicht mehr wissen, was sie nun nach der Modelkarriere tun sollen. Vielleicht ein bisschen grüne Politik. Jahrelang stolzierte man über den Laufsteg in Pelz und einem Hauch von nichts und nun kommt die grosse Wende, man is(s)t vegan und protestiert in Designerklamotten gegen den Klimawandel und hält einen Karton in die Luft es gäbe keinen Plan B. Keine zwei Monate zuvor flog man noch kurz auf eine Insel für einen Monat. Ist ja nicht so schlimm, schliesslich engagiert man sich, postet ein Video und sagt, man müsse die Erde retten und sie hätten so viele Follower, welche es ihnen nachmachen würden. Ausserdem sei es ok mit den Ferien auf der Insel, man ernähre sich vegan. Putzig oder? Den absoluten Hammer finde ich jedoch bei diesen C-Promis den Werbevertrag mit einer Autofirma. Da geht mir schon der Schirm des Verständnisses zu.


Meine Grossmutter pflegte manchmal zu sagen: «Man muss nicht alles verstehen.» Unsere Grosseltern waren noch richtige Klimaschützer, die sind in ihrem Leben gar nie geflogen. Haben keine Kleider made in Vietnam oder Bangladesh gekauft, weil es keine gab. «Global» existierte so wenig wie «Videokonferenzen» und «Chats».


Zugegeben, wir müssen alle Verantwortung übernehmen und zwar in jeglicher Hinsicht. Aber wir müssen wieder lernen, selber Verantwortung zu übernehmen und nicht einfach so mal mitzufahren, weil es allenfalls mehr Follower gibt. Tut doch mal wieder etwas für euch und brüllt einander nicht an, was zu tun wäre oder ist. So gesehen in einer seichten politischen Sendung, in der sich zwei Parteipräsidenten beinahe am Kragen gepackt hätten. Manchmal kann man Gutes auch still und leise machen, für sich und für die Welt. Wenn wir nämlich etwas tun, das nicht so gut ist, posaunen wir es auch nicht raus.
Also, sich selber mal in die zweite Reihe stellen, beobachten und dann handeln. Und liebe Eltern der neuen Generation, keine Angst, so schnell brennt man nicht aus, wenn man sich für eine gute Sache engagiert. Sowas gibt Schwung und irgendwann muss man seinen Weg alleine finden, mit oder ohne Werbevertrag.


So. Noch Fragen?

Feminismus – Frauenpower, ja, aber?

Am 8. März feierten wir Frauen den Weltfrauentag. Mhm. Wir feierten also, liessen Post um Post erscheinen mit Fäusten, die sich in den Welthimmel ins Niemandsland verirrten (ich inklusive). Und dann war der 9. März und ich dachte leise für mich, da stimmt doch etwas nicht. Ich gebe zu, ich wage mich an ein sehr heikles Thema, aber es lässt mir seit Monaten keine Ruhe. Seit Monaten notiere ich mir Aussagen zum Thema Feminismus, Weltfrauentag, Emanzipation etc. Ich unterhalte mich mit unterschiedlichen Frauen zum Thema, denn ich finde das ist nun wirklich ein Thema, welches man unter seinesgleichen diskutieren sollte. Und wenn es dann nicht zu vermeiden ist, beziehen wir die Männer mit ein. Denn meiner Meinung nach sollte sie ja nicht gegen die Männer gehen, die Frauenfrage, sondern sie sollte in erster Linie von den Frauen getragen werden.

 

Aus Erzählungen meiner Mutter zu meiner Grossmutter weiss ich: Das war eine emanzipierte Frau! Ida Hirschi lebte 92 Jahre auf dieser Welt, sie ist als einziges Mädchen neben drei Brüdern aufgewachsen. Sie erlernte einen Beruf und wenn wir ehrlich sind, sie war die eigentliche Unternehmerin im Holzwerk. Sie bekam zwei Töchter und zog diese zu selbständigen und selbstdenkenden Frauen auf; meine Mutter und meine Tante. Eine sagenhafte Geschichte, die ich gedenke niederzuschreiben, denn sie verdient, niedergeschrieben zu werden.

 

Wir Frauen kämpfen ja für Lohngleichheit, eine für mich völlig normale Sache. Aber ich will nicht gegen Männer kämpfen, sondern ich will für die Lohngleichheit kämpfen. Wenn ich aber wie letzthin in einer Zeitung lese, dass eine junge, brasilianische Sportlerin sagt: «Ein Neymar verdiene es halt, mehr zu verdienen als eine Marta», frage ich mich, ja warum denn? Vielleicht sollte man einem Neymar weniger bezahlen und Marta mehr. Mit solch unüberlegten Aussagen wie von dieser Sportlerin machen wir uns lächerlich, unglaubwürdig und manövrieren uns ins Abseits und das finde ich ehrlich gesagt gegenüber den Frauen, die für Gleichheit kämpfen, äusserst blöd. Ja, ich gebe es zu, ich finde die Frau, die diese Aussage gemacht hat, blöd und ich rege mich über solche Äusserungen auf.


Ich ärgere mich auch immer über diesen Satz, den ich leider sehr oft von Frauen zu hören bekomme, der geht so: «Ich stehe ein für die Rechte der Frau, aber ich bin keine Feministin oder Emanze.» Ja, das ist ja nett, oder? Ein bisschen mit dem Frausein kokettieren und dann doch kuschen, sich nicht in ein Schema drängen lassen. Nun, man will ja nicht mit einer Alice Schwarzer in einen Topf geworfen werden, nein, man will immer noch kompromissbereit sein. Denn wie pflegte Simone de Beauvoir zu sagen: «Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts.»
Ich bewundere junge, zielstrebige Frauen, die fordern wie eine Ada Hegerberg, die sich auf den Standpunkt stellt, dass solange der norwegische Fussballverband die Frauen und Männer nicht gleich behandeln würde, stehe sie für Norwegen nicht mehr auf dem Platz. Ada Hegerberg ist momentan auf dem Zenit ihres Könnens und wurde Weltfussballerin. Sie fordert und sie ist (noch) alleine.


Die junge Frauengeneration hat es in der Hand, aber die ältere Frauengeneration ist meiner Meinung nach in der Pflicht, für Recht und Ordnung in Sachen Gleichstellung zu kämpfen. Frauenpower, ohne Aber! Wenn wir es nicht tun und nicht für die Weltfrauen einstehen, gibt es meiner Meinung nach auch nichts zu Feiern am Weltfrauentag. Voilà, der musste jetzt mal raus.

 

 

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