Wir müssen reden

Vor ein paar Wochen ereignete sich bei mir eine Kette von Missverständnissen. Auslöser war ein Hin und Her von E-Mails und dies in einer anderen Sprache, was zu folgendem Resultat führte: Drama. Die letzte E-Mail, die ich erhielt, war dann cherry on top, mit der Schrift in Rot und fett sowie mit unnötigen Ausrufezeichen. Das führte dann bei mir zu einem innerlichen Totalausfall, zu Wut und Unverständnis. Ich empfand es als eine sprachliche und schriftliche Drohung. Und dann sehe ich nicht mehr rot, sondern ich bewege mich in einem violetten Bereich, der für mich persönlich sowie für meine Umwelt unerträglich ist. Was wiederum zu Missverständnissen führt und schon befinden wir uns mitten in Mani Matters «Zundhölzli».


Vor ein paar Tagen haben wir oben beschriebenes Missverständnis persönlich am Tisch besprochen. Der Hauptgrund sass nicht am Tisch, aber er wurde entschuldigt. Seine Gspänli mussten das für ihn ausbaden. Und ich wusste, er ist ein Wiederholungstäter, weil dieser feige Typ nicht in der Lage ist, ein Gespräch zu führen. Er war nicht mal in der Lage, mich anzurufen. Das nenne ich ein klägliches Versagen unserer Sprache, ein klägliches Versagen, uns mitzuteilen. 1:1 ist alles immer anders, selbst ein Telefongespräch kann Konflikte lösen, aber noch wichtiger ist das Gespräch am Tisch, wirklich 1:1. Ich mag E-Mails, ich mag SMS und diesen kurzen, frechen Austausch. Aber ich mag es nicht, wenn man sich Dinge schreibt, die man nicht sagen würde. Das finde ich feige, trostlos und ohne jeglichen Respekt gegenüber der anderen Person.


Der ehemalige Bundespräsident von Österreich, Heinz Fischer, hat einmal gesagt: «Einmal sehen ist besser als hundert Mal hören.» Dem stimme ich absolut zu. Denn wer etwas zu sagen hat, dem hört man auch zu. Aber eine solche Aktion fordert auf, das Telefon in die Hand zu nehmen, den-, oder diejenige anzurufen und zu sagen: «Wir müssen mal reden und zwar am Tisch.»


In unserer schnellen und unaufhaltsamen Zeit neigen wir dazu, aus Feigheit und vielleicht auch aus mangelndem Respekt mit der Mutter aller Ausreden zu reagieren: «Ich habe keine Zeit, solche Gespräche bringen nichts und wir verplempern nur wertvolle Zeit». Das Gespräch und die Sprache sind wohl die wertvollsten Dinge, die wir in die Wiege gelegt bekommen haben. Ich erinnere mich an Gespräche mit meinem Grossvater, als ich noch ein kleines Mädchen war, aber auch als ich ein Teenager war. Er nahm sich immer diese Zeit, um mit mir zu sprechen, nicht nur um mir zuzuhören, er nahm sich die Zeit, mit mir zu sprechen. Und das Wertvollste an einem Gespräch sind die Momente der Stille und der Nachdenklichkeit. Das zeigt mir, mein Gegenüber denkt über das Gesagte nach und plappert nicht einfach drauflos, nur um die stillen Momente zu überspielen. Denn die wirkliche Königsdisziplin im Gespräch ist es, die stillen Momente ertragen zu können.


Wenn ich daran denke, welche Kurztextlawinen gewisse Äusserungen in einem Gruppenchat auslösen können, erstaunen mich diese Dynamik und auch gewisse Reaktionen. Die Hemmschwelle sitzt tief. Auch ich habe mich schon hinreissen lassen zu solchen Äusserungen, weil ich mal wieder mein Temperament nicht zügeln konnte und die Pferde mit mir durchgingen, weil ich eben violett gesehen und ich mich persönlich angegriffen gefühlt habe. Da wünsche ich mir oft die Ruhe und Besonnenheit meiner Mutter. Aber da waren die Gene meines Vaters stärker und wie eine Freundin zu sagen pflegt: «es müllert»…


Leute, ich lege es euch wirklich ans Herz. Kurz der Check, bevor «senden» gedrückt wird. Und ein Abwägen, ob es doch vielleicht nicht mehr Sinn machen würde, anzurufen und wenn es nur um eine Bitte für einen Termin geht.


Check it out.

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