Wege zum Erfolg

Es gab vor Jahren eine TV Soap, «Bianca, Wege zum Glück.» Ja, die war sehr erfolgreich, diese Nachmittagssoap. Eine Haushaltshilfe verdrehte dem jungen Erben die Augen. Er war ein guter, sie auch, aber alle andern waren fies zu ihr. Sie musste so manche Intrige und Bösartigkeit hinnehmen, die Bianca. Nach gefühlten 500 Folgen à 45 Minuten hatten sie und der junge Erbe es endlich geschafft. 

 

Geschafft.

 

Geschafft haben es so einige in ihrem Leben. Was heisst es denn, dieses «Geschafft»? Wo ist die Messlatte zum Erfolg? Privater, wie auch beruflicher Erfolg? Der Erfolg eines Politikers misst sich sicher am Wahlresultat und ob er es denn in einen Rat oder in ein Amt schafft. Wir bewerben uns für eine Stelle und wir schaffen es – die Zusage. Geschafft. Sportler heben die Faust in den Himmel – Sieg, geschafft. 

 

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Werbemail für eine Neuerscheinung eines Buches. Der Buchtitel:

WEGE ZUM ERFOLG 

Vordenker – Vormacher – Vorbilder

10 Unternehmerinnen – 10 Erfolgsgeschichten

 

Soooo Leute. Ich werde dieses Buch schon nur aus dem Grund kaufen, weil mich diese Erfolgsgeschichten unheimlich interessieren. An was genau wird nun der Erfolg gemessen. Zahlen? Führung? Mitarbeiterzufriedenheit? Ehrlich gesagt kenne ich keine einzige Frau auf dem Cover, also hat es meine Neugierde in einem unheimlichen Mass angetrieben. Was mich irritiert – diese Subline. Vordenker – Vormacher – Vorbilder. Meine lieben Frauen, also wenn schon zehn Erfolgsgeschichten über Frauen, dann passt es doch einfach an, nichts ist einfacher als wenn da schon zehn Frauengeschichten sind, das «*in» anzufügen. 

 

Kennt ihr eine*n Vordenker*in? Darunter kann ich mir sehr vieles vorstellen. VOR-denken. Unglaublich praktisch, da denkt eine Person für einem vor. Ist wie vorkochen, praktisch und zeitsparend. Kennt ihr eine VOR-macherin? Ah, das ist schon schwieriger, oder? Das geht dann so in die Sparte Lehrerinnen. Dazu kommt mir immer wieder meine Handarbeitslehrerin in den Sinn und die hatte es nun wirklich nicht leicht mit mir. Keine Ahnung, wie oft die geduldige Frau mir etwas VORgemacht hat. Meine Grossmutter hat meine angefangenen Arbeiten meist zu Ende gemacht, weil es weder mit dem VOR noch mit dem Machen klappte. Und vielleicht ist «Vormacher» auch ganz anders zu verstehen. Eine Frau führt also erfolgreich ein Unternehmen und macht allen etwas vor? Uh, das wäre aber dann ganz dreist. Und dann noch die ganz elegante und liebenswerte Kategorie – Vorbilder. Über Vorbilder könnten wir eine Gruppe bilden zwecks Erfahrungsaustausch. Wir geben also alle VORs in den Mixer und daraus entsteht ein unglaublich toller, einzigartiger Cocktail Namens ERFOLG. Der Erfolg, nach dem wir doch alle streben, wir wollen es schaffen, aber so richtig. Auch wir wollen die Faust in den Himmel strecken und ein befreiendes Yes brüllen, weil wir es geschafft haben. Was genau macht uns glücklich am Erfolg – was oder wie verändert er unsere Persönlichkeit, der Erfolg? Wie gehen wir damit um und wie verändert uns der Erfolg, verändert er uns positiv oder negativ? Reicht es in einem Buch erwähnt zu werden mit einer Erfolgsgeschichte? Erfolg streichelt unser Ego, er lächelt uns an, er ist verführerisch, vielleicht sogar so verführerisch, dass wir anderen Menschen etwas vormachen, dabei vergessen, dass wir immer Vorbilder sind, seit wir auf der Welt sind und immer vordenken sollten, nicht nur für uns selber und unser Ego, sondern auch für die anderen Menschen. Sich selber treu bleiben ist weitaus schwieriger, als dem Erfolg hinterherzurennen. Denn nur wer sich selber wirklich offen und ehrlich zulächelt, ist wirklich sich selbst und dann haben wir es wirklich geschafft.

 

Wir, das ich und ich.

 

Viel Erfolg wünsche ich beim Vordenken, Vormachen und Vorbildsein. Und damit nicht nur alles VOR ist, bleibt vielleicht ein kurzer Moment des NACHdenkens über sich selber, den Erfolg und dessen Wichtigkeit.