Geschwisterliebe

Die einen haben, die anderen nicht und dann gibt es die, die gerne hätten und die, die lieber keine hätten, weil sie von allem genug haben. Die Geschwister. Leute, ich weiss, ein heikles Thema, aber es muss jetzt einfach sein, auch weil Weihnachten bald vor der Türe steht. Heute kann ich im Gegensatz zum Kinderthema mitreden und es ist jetzt wirklich mal an der Zeit, über die Geschwister zu reden.

Wenn ich unter Freundinnen oder Kolleginnen über die Geschwister rede, da kommen immer so die einen oder anderen feinen Spitzen zum Vorschein. Erschwerend kommt noch der Umstand Partnerin oder Partner der Schwester oder des Bruders hinzu. Diese Geschichten finde ich persönlich sehr spannend. 

 

Ich bin mit drei älteren Brüdern gesegnet. Ich bin Nummer vier und in der Thronfolge ebenfalls Nr. 4. Somit habe ich in der Hierarchie eigentlich nichts zu sagen und muss mich dem Regime stellen. Dachten sich wohl alle. Aber nicht mit mir. Wer nun glaubt, als Nesthäkchen mit drei älteren Brüdern sei das Paradies auf Erden gewesen, muss ich hier enttäuschen. Dem war und ist nicht so, aber ich war somit gleichberechtigt, ja, ich habe mich bereits früh zu wehren gelernt, um mich an der Seite meiner grossen Brüder zu behaupten. Ich habe also mit meiner Geburt meinen Weg zur Gleichberechtigung aufgenommen und WIE ich den Weg auf- und angenommen habe. Natürlich durfte ich mittun beim Fussball oder auf der Skipiste. Thronfolge Nr. 1 pflegte zu sagen, die Kleine (das war ich) darf auf den Rinderberg mitkommen, aber sie muss schauen, dass sie uns nachkommt, wir warten nicht auf sie. Der Altersunterschied zu Thronfolge 1 beträgt doch sagenhafte 9 Jahre, liebe Leute. Wenn ich also mit zarten 5 Jahren auf dem Rinderbergspitz stand, dann musste ich zusehen, dass ich einer Horde 14jähriger Jünglinge hinterherfahren mochte. Das ist schon mal eine fette Nummer, finde ich. Beim Fussball musste ich meistens ins Tor, aber auch das ging irgendwie, obschon mir der Ball ganz schön um die Ohren flog. Und wenn dann mal die Tränen doch zuvorderst standen, sicherte ich mich stets bei meiner Mutter ab, ob die Brüder nicht da sind oder zumindest nicht in der Nähe, bevor ich den Tränen freien Lauf liess

Es gab dann auch so Dinge, die uns einzeln verbanden. Reto war zur gleichen Zeit im Welschen wie ich. Unsere Eltern sprachen einen Kredit, der dafür vorgesehen war, dass wir Zwei einmal im Monat zusammen essen gehen. Ich, nette 17 Jahre alt, durfte dann mit meinem grossen Bruder (24 Jahre) und seinen Arbeitskollegen einmal im Monat in einen englischen Pub in den Ausgang, dort haben wir das Monatsessen verpulvert. Meine Welschlandgspändlis erblassten jeweils vor Neid und das zurecht, denn das war natürlich schon etwas ganz Besonderes.

 

Ich habe von meinen Brüdern viel gelernt, sie gaben mir unbewusst die Möglichkeit, mich zu behaupten und wirklich stark zu sein. Sie lernten mich, dass Blut immer dicker ist als Wasser und sie lernten mich, dass man sich sehr wohl auf sie verlassen konnte, sollte ich einmal in Not sein. Natürlich vermisse bzw. vermisste ich eine Schwester, aber wahrscheinlich nur, weil ich mir ausmalte, es wäre alles ein bisschen einfacher gewesen. Dachte ich und wenn ich mich so umschaue und umhöre, vermissen nur diejenigen Schwestern, die keine haben. Und ja, es gibt immer Ausnahmen.

Niemand, aber wirklich niemand kann mich heute noch dermassen auf die Palme bringen, wie meine Brüder. Wenn die zur richtigen Zeit den richtigen Knopf drücken, dann geht meine Nervenrakete hoch, wie bei einem Bilderbuchstart auf Cape Canaveral. Das kann nur eine Kleinigkeit sein. Letzthin besuchte ich meine Mutter. Mein Bruder Reto kam ebenfalls vorbei und wir haben zusammen Kaffee getrunken und zwei Stunden gemeinsam verbracht. Als ich nach Hause fuhr, habe ich mir überlegt, wie es wohl für meine Mutter als Mutter ist. Diese Balance zu halten, die Fairness und das ewige Verständnis. Das Wissen meiner Mutter, wie verschieden ihre Kinder sind, aber auch welche Themen man in einer gewissen Kombination besser vermeidet und ganz elegant einen Themenwechsel vornimmt, bevor jemand Feuer fängt. Denn wie gesagt, der richtige Knopf macht es einfach aus. Im Gegensatz zu mir, hat meine Mutter das Tableau sowas von im Griff – immer noch im Griff. 

 

Und wer nun glaubt, dies sei es gewesen mit einem Geschwisterblog – leider nein. Das Thema ist so bunt, ich werde eine Reihe daraus machen. Denn wie gesagt, bald steht Weihnachten vor der Türe und ich bin endlich bereit über Weihnachten en famille zu schreiben. Ein Leckerbissen, ich halte Wort.