Vertrauen

Früher in den 90ern gab es eine Arztserie und die hiess «Dr. Frank». Das wäre an sich noch nicht so spektakulär, aber der Untertitel schlägt im Jahr 2020 alles ...: Der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Ich habe mir nachmittags oft die Wiederholungen reingezogen, in der Zimmerstunde in meinen aktiven Hotelzeiten. Ja, damals gab es eine Pause, die hiess Zimmerstunde. Darunter kann man sich nun ebenfalls im Jahr 2020 vorstellen was man will. Die Namen sind bereits in den ersten vier Sätzen Programm.

 

Vertrauen ist so eine Sache. Täglich, in einem mehr oder weniger normalen Alltag, sind wir auf das Vertrauen anderer Menschen angewiesen und umgekehrt. Ich bin darauf angewiesen, dass mich der Tramführer sicher in die Stadt bringt. Ich vertraue ihm oder ihr (mittlerweile gibt es nämlich auch Tramführerinnen) blind, ich kann gar nicht anders, ich muss vertrauen, sonst kann ich gleich zu Fuss gehen. Momentan vertraue ich vielen Mittramfahrer*innen, sie tragen wie ich Maske, ich vertraue ihnen, dass sie sich an die Regeln halten. Und wenn ich so richtig nachdenke, muss ich sagen, ich oder wir sind alltagsbedingt voller Vertrauen. 

 

Im Schweizer Fernsehen gab es eine Sommerserie, die in der ersten Sendung nachforschte, ob Geld glücklich mache. Dieser Primeur (über’s Geld) war mehr als ein Flop. Am Ende wurde die zweite Sendung angekündigt: Eine Diskussion darüber, ob Kinder glücklich machen. Seither kenne ich übrigens den Ausdruck «kinderfrei». Erst bei der Ankündigung dieser Kindersendung wurde mir klar: Diese Sendung war ein Affront gegenüber den Menschen, die kein Geld haben. Es ist nämlich nicht damit getan, einem Einsiedler, der im Kanderbachbett lebt, interessiert zuzuhören. Oder damit, beim Millionär im Garten zu sitzen und umgeben von Ponys über Geld bzw. ob Geld glücklich macht zu diskutieren. Gespannt sah ich der Sendung entgegen, ob Kinder glücklich machen. Und jetzt ist die Versuchung wirklich gross, diese Sendung zu zerlegen in alle Einzelteile. Das Eis, auf dem sich SF bewegte, war sehr sehr dünn. Da nützt auch eine 1.50-Moderatorin mit Vorschusslorbeeren nichts.

 

Während dieser Sendung wurde mir bewusst, wie wichtig im Leben das Selbstvertrauen ist. Es ist nicht das Geld, das glücklich oder unglücklich macht. Es ist das Vertrauen. Kann ich meinem Kunden vertrauen, dass er meine Rechnung zahlt? Kann der Kunde mir vertrauen, dass ich meinen Auftrag ehrlich und aufrichtig ausführe. Und ich kann diesen Auftrag nur ausführen, wenn mein Selbstvertrauen stimmt, wenn ich mich wohl fühle und nicht überfordert. Zugegeben, ich kann mich glücklich schätzen, mein Selbstvertrauen stimmt. Ich habe mich in den letzten Jahren immer sehr wohl gefühlt in mir und um mich. Ich vertraue mir ¬– ich vertraue mir, meinen Mitarbeiter*innen Vertrauen zu schenken, meinen Geschäftspartner*innen, meinen Freund*innen, Kolleg*innen etc. und meiner Familie. Wir tun es tagtäglich, Vertrauen schenken und sehr selten sprechen wir es laut aus. Wann habt ihr zum letzten Mal einem Mitmenschen gesagt: «Ich habe grosses Vertrauen in dich.» Zugegeben, diese Aussage kann auch Druck auswirken. Dennoch finde ich, Vertrauen ist eine grossartige Sache, es ist ein Zeichen der Aufrichtigkeit. Misstrauen erleben wir zu oft und es ist so sichtbar und manchmal sind wir dem Misstrauen ohnmächtig ausgesetzt. Wenn ich da an ein paar Weltpolitiker denke, löst dies eher Misstrauen aus als Vertrauen. Und wir, wir können fast nichts tun gegen diese Ohnmacht, wir sind ihr ausgesetzt. 

 

Umso wichtiger ist es, Vertrauen auszusprechen und Vertrauen zu leben, es macht so vieles einfacher und schlussendlich denke ich auch, Vertrauen macht wirklich glücklich. 

 

Ja, ich vertraue.