Bravo - in jeder Hinsicht

Letzthin hat mich eine gute Freundin spontan besucht und wir haben einen schönen Sommerabend auf dem Balkon verbracht. Zu fortgeschrittener Roséstunde fanden wir uns im Thema Aufklärung wieder. Meine Freundin hat eine Tochter in einem schwierigen Alter. Ich habe mittlerweile gelernt, Kinder sind immer in einem schwierigen Alter – eine gute Erkenntnis als kinderfrei. Man sagt ja heute kinderfrei, nicht kinderlos. Mir gefällt kinderfrei besser als kinderlos; «frei» beschreibt es nämlich sehr treffend. Item. Also erzählte meine Freundin vom Versuch, sich ihrer Tochter anzunähern in Sachen Aufklärung – weil die jungen Mädchen immer früher reifer werden, also frühreif. Die Tochter hat natürlich abgeblockt, somit hat Mutter ein Buch gekauft und Tochter den Schinken gegeben mit dem gutgemeinten Angebot «wenn du Fragen hast...». Was die Mutter und das Kind wissen: Nein; wenn ich Fragen habe, dann gehe ich mit diesen Fragen sicher nicht zur Mutter. Als ich laut gelacht habe, fragte mich die Freundin: «Tina, hast du mit deiner Mutter darüber gesprochen?» Nein. Meine Freundin auch nicht, sie sagte: «Mich hat Bravo aufgeklärt.»


Und dann kamen wir zu noch weiter fortgeschrittener Roséstunde ins Schwärmen zum Thema Bravo. Die Fragen überschlugen sich. Gibt es Bravo noch? Und was hat man als erstes gelesen im Bravo? Ich schreibe extra nicht «in der Bravo» – das ist so Deutsch. Wir haben schliesslich immer «das» Bravo gesagt. Der Umgang mit Bravo war zu unserer Jugendzeit sehr modern, wir haben nämlich Bravo geteilt. Eine kaufte es und drei haben es gelesen. Sharing is caring ... jaja. Ausser beim Starschnitt, das war dann so eine Sache. Wir teilten uns also Bravo und je nach Starschnitt mussten wir dann Federn lassen. Paul Young, Shakin Stevens (in weissem Anzug und Schuhen), Kajagoogoo und Nena habe ich meinen Gspändlis überlassen. ABER, bei Jennifer Beals hörte meine Grosszügigkeit auf. Jennifer Beals habe ich mir gekrallt und zwar ohne Rücksicht. Ah, da kam mein Kämpferwille zum Vorschein. Da kenne ich nichts, Jennifer Beals gehörte mir. Und mit L-Word hatten Jennifer Beals und ich ein grossartiges Revival.


Als ich zufällig entdeckt hatte, dass der Film Flashdance zu später Stunde auf dem welschen TV ausgestrahlt wurde, habe ich diesen Film mit dem Videogerät aufgenommen. Ich habe mir in der Migros extra eine Kassette gekauft für diesen Film. Nicht etwa, dass mein Vater Flashdance noch mit einem Derrick überspielte. Und dann wurde dieser Film geschaut und zwar nicht zehn Mal, nein, gefühlte hundert Mal. Ich kenne Flashdance in- und auswendig und zwar auf Französisch. Als ich Jahre später den Film in Originalfassung sah, immer noch fasziniert von Jennifer Beals, passte die Sprache irgendwie nicht in mein Flashweltbild. Somit ist in meiner Jugenderinnerung Flashdance in Französisch abgespeichert.


Ja und nun also noch zum Schluss zurück zum Anfang der Geschichte. Das Dr. Sommer Team. Ich bin überzeugt, das Team Dr. Sommer kennen alle, die das Bravo gelesen haben. Die Probleme sind immer noch die gleichen und die Lösungen auch. Es ist immer noch der gleiche Eiertanz um die gleichen Themen und das ist egal, ob wir 11, 12, 15 oder 25 sind. Alleine die Erfahrung macht es vielleicht ein bisschen erträglicher, wenn nicht auch noch enttäuschender. Schon wieder reingefallen und das mit notabene 40 oder was auch immer. Wer kümmert sich eigentlich um die Erwachsenen? Dr. Google? Nein. Blick? Nein. Ja wer denn? Wir rennen in die offenen Arme eines Coachs, ja, das sind unsere persönlichen Dr. Sommers. So ist das halt, ein bisschen teurer als das Bravo halt. Aber die Erfahrung hat uns doch auch ein bisschen reicher gemacht.
Die Tochter meiner Freundin ist mein Gottemeitschi. Zu fortgeschrittenster Roséstunde sagte die Mutter zu mir: «Also eigentlich hat man bei solchen Fragen auch ein Gotti, oder?» Ich nickte und dachte mir, eigentlich würde es mich sogar freuen, wenn sie zu mir kommt. Zu mir, Gotti Tina Sommer.


So geht das. BRAVO.