Helden

In der momentanen Krise haben wir es wieder mit dem Heldentum. Wir, die Gesellschaft, brauchen offenbar ein Heldenbild, damit wir bewundernd applaudieren. Je nach Lebenssituation und Weltbild verändert sich das Heldentum immer wieder.

 

Einmal sind es Skirennsportler, die sich heldenhaft einen vereisten Hang hinunterstürzen und im Ziel flippt die Menge aus, wenn die Helden die Arme des Erfolgs hochreissen. Gut, momentan ist es grad nicht so berauschend mit der Lage am Lauberhorn, aber die Walliser werden es uns Berner Oberländern schon noch zeigen, wie man heldenhaft eine Abfahrt vermarktet. Da mache ich mir keine Sorgen. Oder der Fussballer, der es schafft, mit einem heldenhaften Tor eine Mannschaft zum Weltmeister zu schiessen und Jahre später wird dieser Held zum Noname und vom gelben Club zu einem weniger leuchtenden Club verscherbelt. Er, der Held, der mal Deutschland zum Weltmeister kickte. Oder ein Staatsmann, der den kalten Krieg beendet hat – ein Held für den vorübergehenden Weltfrieden. Helden halt. Es gibt natürlich auch Heldinnen, die sind vielleicht nicht so imposant, brüllen nicht so laut, aber es gibt sie. Das sind stille Ameisen, Soldatinnen, Bienen. Ich muss das nicht weiter ausführen, die die mich zwischen den Zeilen lesen, verstehen mich und die anderen haben immer noch das gleiche Bild der Helden. Früher applaudierte man sogar, wenn ein Pilot die Maschine ohne grosses Rumpeln landete. Es ist ihre Arbeit und dafür beziehen sie Lohn. Lassen wir uns also nicht von gutsitzenden Uniformen mit dicken goldenen Streifen auf den Schultern blenden.


Momentan – und ich bin überzeugt, es ist momentan – sind ja die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens die Heldinnen und Helden. Die, die sich dem Schwur hingeben und in den Krieg des Bösen ziehen müssen – angezogen als würden sie gleich auf den Mars geschickt für Mission Impossible. Ich mache mich nicht lustig, ich stelle nur fest, das möchte ich betont haben. Wir stellten uns auf den Balkon und applaudierten und hatten Tränen in den Augen vor lauter Dankbarkeit. Und das wars dann schon. Meine Heldinnen in dieser Mission sind jedoch die, welche nun für die Rechte und Lohngleichheit dieser Menschen kämpfen. Die nicht aufgeben ihrer Berufung nachzugehen und nun diese Fläche nutzen um aufzuzeigen, wie es wirklich ist. Was nützt ihnen ein Händeschütteln unseres obersten Gesundheitsministers, wenn sie völlig übermüdet und geschafft nach Hause kommen und der Kühlschrank leer ist, weil sie einfach nicht dazu gekommen sind einzukaufen.


Ich habe es nicht so mit den Helden und Heldinnen. Wahrscheinlich altersbedingt und da kinderlos, habe ich auch keine Vorbilder und muss auch selber keines sein. Aber wenn ich kurz innehalte und überlege, was denn für mich so eine Heldin oder einen Helden ausmacht, dann kommen mir spontan die Menschen in den Sinn, die den Alltag am Laufen halten. Ein Mechanikerteam des TCS, ein LKW- Fahrer, der einem hilft die Schneeketten zu montieren – einfach so. Oder der Schneepflugfahrer, der einfach so ein bisschen mehr ausschert, damit der Platz vor dem Haus nicht extra geräumt werden muss. Der Pösteler, der einem das Paket ins Büro stellt, weil es so schwer ist. Es sind die kleinen, alltäglichen und fürsorglichen Gesten, die mich berühren. Und so will ich diesen Menschen auch begegnen – aufrichtig und auf Augenhöhe. Nicht anhimmeln, sondern einfach mal auch sagen, wie sehr man ihre Arbeit schätzt. Ein liebes Wort ist manchmal mehr wert als schallender Applaus vom Balkon.


So sieht mein Heldentum aus.