50 plus und hübsch

Seit Monaten liegt ein Link in meiner Mailbox und der ist reserviert für einen fulminanten Blog. Den Link hatte ich diversen Freunden und Kollegen weitergesendet mit einer Kurznotiz von mir, die lautete: «Sollte ich Frau XY treffen, werde ich ihr mal so richtig einen währschaften Chlapf verpassen. Bei solch blöden Aussagen von Frauen über Frauen frage ich mich schon, wohin die Reise geht.»


Aber der Reihe nach.


Zufälligerweise stolperte ich über einen Bericht zu Frauen in den Wechseljahren. Ein Thema, welches mich bald betreffen wird. Soweit so gut. Dann ging Frau Artikelschreiberin näher auf Frauen über 50 ein, insbesondere wenn die Frauen auf der Suche nach einer Arbeit sind und dies eben verbunden mit den Wechseljahren. Jetzt aber!, dachte ich mir – hochexplosiv! Diese Explosivität betrifft ja nur die Frauen, klar, Männer über 50 sind die Gelassenheit in Person. Kein Druck, keine Harley, kein Golfspiel, kein Haarefärben, kein Zwicken in Rücken, Bauch, Po und weiss ich wo. Nein, nein, alles entspannt und total easy.

 

Aber die Frauen über 50 stellen eine kleine Gefahr für die Gesellschaft dar. Zurück zum Artikel. Ich zitiere die Stelle, an der es mir den Zapfen abgejagt hat:


Positiv beurteilt Frau XY, dass Frauen über fünfzig über viel Erfahrung verfügen. Oft seien Frauen in den Wechseljahren aber für andere auch irritierend. Die Hormone spielen verrückt. Die Stimmungen schwanken. Sie rät, Frauen sollen sich für sich selber hübsch machen, das mache sie in der Gesellschaft sichtbar. Will eine Frau im Beruf vorwärtskommen, muss sie bis vierzig die untersten Karrierestufen alle genommen haben. Mit Teilzeitarbeit unter 50 Prozent sei keine Führungsposition zu erreichen, sagt XY. Hat man sich für die Karriere entscheiden, dann heisst es beissen, nicht verkrampft, sondern mit Charme.

 

Jaja, so ging es mir auch, meine lieben Blogfreunde. Ungeheuerlich, unfassbar und sogar ich war sprachlos. Hübsch machen und für die Gesellschaft sichtbar werden, so einfach geht das. Ich werde mich also ab dem nächsten Jahr hübsch machen, damit ich in der Gesellschaft sichtbar werde. Sichtbar. Was bitte nützt uns eine lächerliche Hülle? Ja, die Hormone spielen verrückt, aber diese Hormone begleiten uns schon ein Leben lang und die hatten schon mit 18, 28, 38 und 48 Party. Immer ein bisschen anders, aber total verrückt. So what! Lieber verrückte Hormone als eine hübsche Gesellschaft. Hübsch ist nichts, hübsch ist affig, hübsch ist lauwarm. Verrückt ist attraktiv, ha, diese Hormone machen uns Frauen so richtig attraktiv, wir sind selten so uns selbst, wie wenn es zur Schallgrenze 50 geht. Dann geben wir so richtig Gas, als ob wir da ein Sommerkleidchen bräuchten, um in der Gesellschaft sichtbar zu sein.


Ich färbe meine Haare nicht, habe ich noch nie getan. Bin ich deswegen nicht hübsch? Es ist wie es ist, ich werde älter und die Silberfäden gehören zu mir. Und je älter ich werde, umso gelassener bin ich. Ich muss nicht mehr cool sein, das habe ich bis 28 erledigt. Aber ich geniesse dieses Zurücklehnen und ich geniesse die neue Gelassenheit – ohne hübsch.


Geben wir dem Alter oder den Wechseljahren Platz – lasst uns mit der Erfahrung spielen. Wir haben es so richtig drauf, denn wir sind Frauen und wir müssen nicht hübsch sein, um in der Gesellschaft aufzufallen schon gar nicht mit 50.

Denn, nicht vergessen, wir beissen mit Charme.