Hochtourige Erwartungen

Bei vielen sind sie hoch, bei anderen eher tief und umso überraschender ist es, wenn sie dann tiefer sind und die Höhe erreicht wird. Dann spricht man von einer positiven Überraschung und wenn sie nicht erreicht werden, spricht man von einer Enttäuschung. Die Erwartungen.


Eltern haben Erwartungen an ihre Kinder und dies wahrscheinlich ein Leben lang. Patriarchen gehen davon aus, dass die Söhne dieser Welt die Firma übernehmen und wenn es nicht klappt, ist die Enttäuschung riesengross; ja die Patriarchen sprechen sogar von Versagern, wenn der erfolgreiche Unternehmer feststellen muss, dass der Sohn ein Künstler wird oder noch besser ein Sozialpädagoge. Umso grösser dann die Überraschung, sollte die Tochter das Ruder übernehmen, da wird selbst in diesen ach so fortschrittlichen Jahren von einer positiven Überraschung gesprochen. Mütter haben natürlich auch Erwartungen an ihre Töchter. So hat sicherlich auch meine Mutter ihre Erwartungen an mich. Und bestimmt an ihre Söhne – eben so, wie Eltern Erwartungen an ihre Kinder haben.


Ich habe Erwartungen an meine Mitarbeiter und sie haben Erwartungen an mich. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich an meine Mitmenschen, meine Freunde, meine Kollegen und meine Mitarbeiter unglaublich hohe Erwartungen habe. Und nur, weil ich vielleicht an mich selber diese Erwartungen habe. Daraus entstehen dann vielfach Enttäuschungen; aber ich habe gelernt, dass das zu meinem Leben gehört. Wer neben mir steht und mit mir geht weiss, ich laufe hochtourig und manchmal im roten Bereich. Ich habe dann immer die Erwartung «lauft mit mir, nutzt diese Hochtourigkeit aus, es geht vorwärts!» Und wenn es grad nicht in meinem Tempo läuft, dann bin ich zuerst enttäuscht und später muss ich still und leise zugeben, ja, meine Erwartungen waren zu hoch und ich habe Druck ausgeübt. Liebe Leute, ihr kennt mich oder glaubt mich zu kennen und gegen die 50 lerne ich mich auch kennen.


Nun so weit, so gut – ist ja normal. Normal ist auch, dass vielfach Erwartungen in Druck ausarten.


Ein Land, welches Sportlerinnen und Sportler zu einer Olympiade schickt, dieses Land und dessen Bewohner haben auch Erwartungen an diese Athletinnen und Athleten. Die Medien fragen immer wieder die gleichen Dinge und immer wieder die Druckfragen und wir sprechen von Goldschätzchen und Kings, wenn diese noch nicht mal die Ziellinie überfahren haben. Wir haben Golderwartungen und wenn es dann Silber oder Bronze ist, dann ok, sollte der Trend eher gegen Richtung Rangierung 4 bis 6 zeigen, lassen wir Euphorie aufblitzen, wenn es wenigstens zum olympischen Diplom gereicht hat. Eishockey hat mich bis anhin nicht so interessiert, aber ich habe grosse Freude an unseren Iceladies, denn sie haben überrascht – oder doch nicht? Aber von den Eismännern erwarten wir dann schon was, so ein Kracher gegen Kanada, die Eismacht. Nun, also diese Bären von Männern mit ihren Bärten und fehlenden Zähnen, weil sie diese in einem Kampf verloren haben, nämlich im Kampf um den Puck. Der Puck, der gerade mal einen Durchmesser von 7.62 cm hat und ein Gewicht von 156 bis 170 Gramm. Deshalb muss man einander ja auch die Bande hochdrücken, bis es einem die Luft abdrückt, von den Kopfschlägen sprechen wir mal nicht. An diese eisenharten und eisgefrorenen Bärenmänner habe ich auch Erwartungen, nämlich dass sie ihrem Ruf gerecht werden. Doch diese eine Radiomeldung machte all diese Erwartungen zunichte. Jetzt ist doch dieses bärenstarke, coole Männerteam in Südkorea angekommen und jetzt können die nicht schlafen, weil die Matratzen zu hart sind. Mhm. Und sowas geht ja gar nicht, diese Matratzen müssen sofort ausgetauscht werden und sollte diese Mannschaft verlieren, sind die Matratzen schuld.


Als Eishockeynation haben wir nämlich schon gewisse Erwartungen an eine olympische Matratze.

 

Jawoll, so geht das nämlich.