UniFORM

Letzthin habe ich eine Securitas-Frau beobachtet, wie sie Bussen verteilt. Kurz danach habe ich eine Polizistin gesehen. Alle beide hatten das gleiche Problem: Sie sahen äusserst unvorteilhaft aus in ihren Uniformen, insbesondere sass die Hose nicht. Auch unsere liebenswerte Pöstlerin trägt eine äusserst unvorteilhafte Uniformhose. Ich weiss nicht, woran das liegt, aber ich habe noch nie eine uniformierte Beamtin gesehen, bei der die Uniform sitzt. Zumindest nicht in der Schweiz. Geht man dem Wort auf den Grund, so sollte sie, die UniFORM, ja dafür sorgen, dass sie optisch einheitlich wirkt. Wobei – optisch einheitlich unpassend ist ja auch optisch einheitlich.
Erschwerend kommt die unglückliche Schuhauswahl hinzu. Sorry Frauen, aber Mephisto geht nun gar nicht. Aber ich stelle eines fest, eine Uniform verhilft immer zu einem ganz anderen Selbstbewusstsein. Ich habe mich nämlich mal mit einer Securitas-Dame, die Bussen verteilt hat, verbal angelegt. Sie stand vor mir, schaute bedingt durch ihre Grösse auf mich runter und dann machte sie einen kapitalen Fehler: Sie wippte rauf und runter. Ihre Grösse und ihre Uniform hatten mich fast schon etwas eingeschüchtert, aber dann das Wippen in Mephistos... nein, da war das Licht aus.


Ich trug während meiner aktiven Zeit im Hotel auch Uniform (natürlich nicht mit Mephisto als gewinnendes Accessoire), aber es trug sich ganz praktisch und die morgendliche, schwierige Entscheidung fällt weg. Diese Hoteluniformen waren zum Teil auch nicht gerade vorteilhaft. Ich kann mich an eine im Dirndlstil erinnern, da wird mir heute noch übel, wenn ich daran denke. Nach der Hotellerie arbeitete ich ohne Uniform, aber nach Vorschrift. Fand ich ebenfalls witzig, denn bei rund 30 Mitarbeitern fiel die Interpretation des Businesslooks immer etwas anders aus.


Jede Branche hat so ihren Look und ihre Vorschrift und es macht die Menschen nicht besser, aber auch nicht schlechter. Zum Glück gibt’s noch Google: Wenn man nämlich ein Vorstellungsgespräch hat, dann hole man sich Tipps aus dem Internet, stülpe sich diese Tipp-Uniform über und... – führt das zum Erfolg? In den Nullerjahren waren diese Dress-up-Seminare total in und ich fand das auch äusserst witzig. Der Typ mit den weissen Tennissocken und den Bermudas rasselte geradewegs durch und was haben wir über diese Typen gelacht, wie out sie sind und überhaupt und so und im Businessleben geht es ja gar nicht. Frage:

Was, wenn diese Bermuda und Hawaiihemd tragende Tennissocke erfolgreich Pedalos vermietet? Ist das nicht auch Business?


Wenn ich ins Büro laufe, fällt mir oft auf, dass es auch einen unausgesprochenen Dresscode innerhalb eines Quartiers gibt. In diesem (rate, welchem?) Teil Berns sind die Mütter, welche ihre Kinder zum Grosi bringen, welches dann die ganze Bande zur Schule oder zum Kindergarten bringt, immer mit diesen langen Strickjacken gekleidet. Sie hüllen sich darin vor Kälte gekrümmt ein und sehen mit ihren schulterlangen, blondierten Haaren alle aus wie ein Findusplätzchen im Karton. Aber so ist das in diesem Quartier.

Und wenn ich die Freizeituniformen sehe, dann zaubert dies ein Lächeln auf mein Gesicht. Als ich jung war, suchte man seinen Stil; da gab es New Waver, Hippies, Popper usw. Heute gibt es selbst unter Festivalbesuchern einen Mainstream. Die Burschen tragen alle Bart, eine farbige Sonnenbrille und ein Hütchen auf dem Kopf und die Mädels tragen praktisch nichts mehr, da passen wenigstens die Flipflops. Wo bleibt der Anspruch eines eigenen, unverkennbaren Stils?
Ich komme noch einmal auf die Damen in Uniform zurück. Lieber Staat, Bund, Kanton, liebe Post, liebe Grenzwacht etc. etc.: Nun seid doch ein bisschen generös und lasst den Damen die Hose schneidern. Gebt den Frauen ihre FORM zurück und ihr macht sie glücklich.


Und ich? Ich versuche in FORM zu bleiben, so geht das mit den UniFORMEN.

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