Entscheidungen

Es gibt Leute, die treffen sie schnell und schmerzlos und dann gibt es Leute, die tun sich unheimlich schwer damit. Wiederum gibt es Leute, die fragen erst mal andere Leute, um dann überhaupt nicht mehr zu wissen, ob und wie – und dann gibt es Leute, die tun es, als wäre es das einfachste auf der Welt. Und dann gibt es noch eine weitere Kategorie: Die tun es und dann machen sie’s wieder rückgängig. Oder die, die es gar nicht tun.


Es geht also um Entscheidungen.


Ich gehöre zu den Leuten, die sich schnell entscheiden und sich nicht schwer damit tun, Entscheidungen zu tragen.
In meiner Kindheit gab es ja so grundlegende Entscheidungen und die waren wirklich wichtig, weil man dazu stehen musste. So zum Beispiel Pelikan oder Geha, Puma oder Adidas, YB oder GC, Michela Figini oder Maria Walliser, Peter Müller oder Pirmin Zurbriggen (wobei ich glaube, Peter Müller stand nie zur Debatte) und um diese kleine Runde musikalisch abzuschliessen: Whitney Houston oder Madonna, Flashdance oder Footloose.


Heute ist das ganz einfach, denn heute kannst du auf Google einen Test machen und Google sagt dir, welcher Typ du bist. Du musst dich nicht entscheiden. Und das zieht sich so weiter. Meiner Meinung nach singen im heutigen Popgeschäft alle gleich oder ähnlich und wenn sich diese Bubis und Mädchen nicht entscheiden können, dann singen sie halt ein Lied nach, oder wie das im Fachjargon heisst: man covert. A propos Musik und Entscheidungen, da gibt es ja diese «Voice of»-Sendungen. Auch ich schaue diese Sendungen und wenn sich der Kandidat entscheiden muss, in welches Team er denn nun gehen will, gehört es zur Show, dass der oder die ja nicht weiss, wie und ob und überhaupt. Ah und dann bin ich schon auf 100! Come on, die wissen doch haargenau, zu wem sie wollen und wenn sich dann der- oder diejenige nicht für dich entschieden hat, wählt man doch Plan B. Item. Dann dreht sich das Spiel, der Coach muss sich dann entscheiden, mit welchem Talent er weitergehen will. Dasselbe in grün bei diesen Coaches.


Ich gebe es zu, meine Entscheidungsfreude könnte in einem gewissen Zusammenhang stehen mit meiner Ungeduld. Dazu auch eine Geschichte. Wir waren in einem Restaurant essen und da gab es also eine Mitesserin, die konnte sich (sie wissen schon...) nie entscheiden, was sie denn nun essen will. Als die Bestellung aufgenommen wurde, mussten alle anderen zuerst sagen, was sie essen wollten und diese Eine wusste immer noch nicht weiter. Wer kennt sie nicht, diese elend langen Sekunden der Stille, der Entscheidung – und vorne steht eine Dame mit Blöckli und die weiss genau, hinter ihr warten noch andere Leute darauf, dass sich diese Eine endlich für etwas entscheidet. Bei mir bildeten sich schon die ersten Stress-Schweisstropfen auf der Stirn – ich fand es schlicht  UNERTRÄGLICH. Dann endlich! Als ob es nicht schon genug wäre, änderte sie noch die Beilagen und dann noch ein halbes Menu und, und, und. Ich sag’s ja, unerträglich für mich.
Wie auch immer. Sie fallen einem vielleicht leicht, anderen fallen sie schwer und dann gibt es Momente, wo man sie hinausschiebt. Doch was auch immer ist: Man muss sie treffen. Treffer können erlösend sein, Entscheidungen auch – nur Mut zur Lücke!


So geht das in meinem Leben.

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