Leidenschaft

Ah – ich mag sie, ich liebe sie, die leidenschaftlichen Menschen. Sie sind mit Herzblut dabei, sie sind heissblütig und das Temperament lässt sich kaum zügeln. Da spürt man Energie und Kraft und sie sind so unanständig anspruchsvoll und unberechenbar. In unseren Breitengraden hat man es nicht so mit der heissblütigen Leidenschaft, da zelebriert man doch lieber die höfliche Zurückhaltung.


Zack, sind wir mitten im Thema: Fussball! Meine grosse Leidenschaft und mein Herzblut. Wer schon einmal live bei einem Spiel war, kennt diesen Moment, kurz bevor es losgeht. Diese Anspannung – und dann ist es da, dieses Fieber und diese Leidenschaft und ja, man leidet oder man schäumt über vor Freude. Und wenn Herzblut dabei ist, dann spielt es keine Rolle, neben wem man sitzt und was der tut und was er nicht tut und ob er es beruflich geschafft hat – es ist egal, denn es geht um eine Leidenschaft, die geteilt wird. Der Fussball, das Spiel, diese Stimmung ist wie Wasser im Schwamm, ich sauge es auf und ich bin in diesen Momenten nur eines: leidenschaftlich!


Ich werde oft ungläubig angesehen, wenn ich vom Stadion erzähle, und jetzt muss ich einfach mal eines festhalten: Wer noch nie in einem Stadion war und sich einen Fussballmatch live angesehen hat, kann nicht mitreden. Nein, nicht möglich. Und wenn mich Leute süffisant anlächeln, müssen die nicht meinen, ich weiss genau was sie denken… na, und wenn schon?!
Leidenschaft habe ich schon bei vielen Menschen gespürt und sie förmlich gesehen, sei es im Beruf oder im Privatleben. Es muss kein Fussballmatch sein, damit ich diese Leidenschaft bei jemand anderem spüre. Begeisterte Menschen strahlen so viel aus, sie sprühen vor Lebensfreude, wenn sie in ihrem Element sind – Freude pur! Es ist das sacre feu, das Leuchten in ihren Augen. Ich glaube, da könnte man mir gar einen Ländler auf der Klarinette spielen: Sehe oder spüre ich Leidenschaft, dann reisst mich das immer wieder mit.
Wird Leidenschaft geteilt, dann ist meiner Meinung nach alles egal, dann ist nur noch loderndes Feuer. Es ist diese unausgesprochene Verbindung, dieses gemeinsame Teilen einer Freude oder einer Leistung, die jemand mit Leidenschaft verrichtet. Im Wort Leidenschaft ist dieser eine Teil – das Leiden. Ja, man muss auch leiden können, in einem Fussballmatch, im Berufsleben. Zugegebenermassen ist eher anstrengend, mit Leidenschaft zu leiden.


Höfliche Zurückhaltung, erst die Lage abschätzen und dann die Ruhe selbst sein und eine Entscheidung treffen ist in gewissen Situationen durchaus angebracht. Doch Hand aufs Herz, da kochen wir nicht über, wenn so ein Superstar über die Ziellinie fährt und launisch seinen Sieg zur Kenntnis nimmt. Aber wenn dieser eine Superstar sich freut über seine Leistung und seinen Lauf oder wenn er oder sie sich freut über ein Tor, die Arme hochreisst und strahlt, das lässt einem nicht kalt.
Cool erscheinen mag seine Vorteile haben, aber wer leidenschaftlich ist hat mehr vom Leben – und es ist weniger anstrengend.

 

Leidenschaftlich soll es sein – das (Fussball-)Leben.

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