Unumwundene Gradlinigkeit


Man sagt mir nach, ich sei sehr direkt in meiner Ansage. Man sagt mir gar nach, ich sei manchmal beinahe verletzend direkt. Meine Direktheit stösst ab und zu an, aber dadurch ist mein Inneres rein – ich habe gesagt, was es zu sagen gibt. Diese Gradlinigkeit habe ich meinem Grossvater abgeschaut und mir auch angeeignet. Ich liebe es, wenn ich ein Gegenüber habe, welches aus gleichem Holz geschnitzt ist. Wenn ich weiss, woran ich bin, kann ich reagieren, mich damit auseinandersetzen, kontern oder zustimmen.


Merke ich, dass mein Gegenüber an einer Ausrede rumfeilt, sich windet und es immer schlimmer macht, treibt mich das zur Weissglut. Damit kann ich nicht umgehen. Meine Geduld hängt dann nur noch an einem seidenen Faden, weil die Wut der Enttäuschung zunimmt. Beispiel: Ich verschicke eine Einladung und dann kommen die Rückmeldungen. Zu- oder Absagen. Letztere nehmen wir unter die Lupe. Da gibt es also Leute, die sagen ab und genau das ist für mich ok. Einige rufen mich an und erteilen mir eine Absage. Sie sagen auch warum und weshalb. Das sind für mich die Leute, die Grösse zeigen. Und dann kommen die Leute, die mir schreiben – eine Absage per E-Mail, gefolgt von der Liste der Gründe, weshalb und warum... und die Liste wird immer länger und dann merke ich: Da ist was faul! Es gibt nämlich auch diejenigen, die mir schreiben: «Ich bin in den Ferien, kann leider nicht kommen.» Reicht doch – Meldung angekommen.


Diese gewundenen E-Mails sind für mich ein leises Zeichen der Feigheit. Es lässt sich so vieles so schnell niederschreiben – und weg ist es. Das Telefon in die Hand nehmen und anrufen, DAS zeigt für mich Charakter. Gradlinig – direkt. Wie mein Bruder Alexander das zu tun pflegt. Ich schätze das so sehr an ihm. Anrufen – reden, hin stehen und sagen, was Sache ist.


Soweit so klar und gut. Wagen wir einen Exkurs, denn dieses kommunikative Phänomen zeigt sich auch im Geschäftsleben. Stichwort «Offerten». Ich liebe den Moment der Anfrage! Da werden Kräfte frei und ich bin im Element. Das ist meine Zeit, da bin ich gefordert und ich fühle mich wie ein Pferd vor dem Rennen in der Startbox: Ich scharre mit den Hufen und warte nur, bis die Türe aufspringt und dann los! Eine Offerte ausarbeiten ist die Visitenkarte. Einbringen von den einzelnen Stärken, unterstreichen der versteckten Stärken, sich präsentieren und dabei nicht den Boden verlieren. Realistisch bleiben – aber direkt mitteilen, was man kann und auch was man nicht kann oder nicht (mehr) machen will. Sich nicht um jeden Preis verkaufen, sondern den Wert angeben. Kämpfen um den Auftrag, argumentieren und verhandeln.
Und dann folgt das Warten (... über meine Geduld werde ich ein anderes Mal schreiben). Wieder gibt es die verschiedensten Formen der Mitteilung. Und auch hier – eine Zusage löst Glücksgefühle aus, eine Absage muss so richtig gut formuliert sein. Sind wir mal ehrlich: Ob bei Einladungen, Bewerbungen, Aufträgen, Mannschaftsaufstellungen... auch wenn es hart ist, aber nur die direkte Ansage ist gradlinig.


Ich bleibe direkt, was immer kommen mag.

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